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Weihe und kirchliche Berufe PDF Drucken
Eines der 7 Sakramente der Kath. Kirche ist die dreigliedrige Priesterweihe (Diakon – Priester – Bischof).

Dazu gibt es aber eine vielzahl von kirchlichen Berufen, ohne die unsere heutige Kirche in Österreich kaum mehr denkbar ist: Pastoralassistent/inn/en, Ordensleute, Säkularinstitute, .... Nähere Informationen zur Ausbildung erteilt das Canisiuswerk (www.canisius.at).

 

 

In der Folge ein Artikel von Pfarrer Gerald Gump aus unserer Pfarrzeitung "DAS GESPRÄCH" vom Oktober 1999:

Über Kleruszentrierte Hochfeste ...

Ein Pfarrer – übrigens ich selbst – wird demnächst feierlich vom bischöflichen Generalvikar in sein Pfarreramt eingeführt, ein Mann aus unserer Gemeinde, Gerhard Bila, wird 2 Wochen darauf im "Hohen Dom zu St. Stephan" zum Diakon geweiht. Beim ersterwähnten Fest wurden groß Einladungen ausgesprochen. Erfahrungsgemäß ist bei "Installierungen" (wie das Fest offiziell heißt) alles vertreten, was Rang und Namen hat. Eine Diakonen- oder Priesterweihe ist eines der größten Feste in der Kathedrale – auch hier trifft sich, wer – diesmal diözesan – wichtig ist (oder sich wichtig macht). Es sind dies 2 Feste, die groß angekündigt wurden und leicht in Gefahr kommen, in klerikalen Personenkult zu entarten. Was ist denn schon dabei, wenn 2 Männer einen bestimmten Dienst übernehmen – noch dazu in einer Pfarrgemeinde, die von der Vielfalt verschiedenst Mitarbeitender getragen wird – warum dann so ein Aufwand bzw. Aufsehen?!?!?

 

Kleriker – die wirklicheren Christen

Oft wird der - um das etwas antiquierte Wort zu verwenden – "Kleriker" (= Bischof – Priester – Diakon) als einer gesehen (leider oft auch erlebt), welcher der doch etwas bessere Christ ist – ja nicht unbedingt besser, aber halt doch ein bißchen mehr oder eben doch besser. Gratian, der Vater des Kirchenrechts, hat um 1140 dies in folgende Worte gegossen: "Es gibt zwei Arten von Christen. Die eine Art ist diejenige, die dem göttlichen Dienst .. . übereignet ist. Dies sind die Kleriker und Gott-Geweihten. Die andere Art von Christen ist diejenige der Laien. Auch sie können gerettet werden, unter der Voraussetzung, daß sie die Laster meiden, indem sie das Gute tun." Der "Hochwürden" ist ja schließlich Gott durch sein Amt – nicht als Person natürlich, wie zumeist gleich dazugefügt wird – nunmal doch etwas näher, er lebt eben doch die eigentliche Form des Christ-Seins. Insofern ist folgerichtig, für solch "Halbheilige" ein heiliges Fest zu inszenieren.

Diese Theorie hat ungeahnte Vorteile: Da ist dann der Pfarrer für alles Fromme zuständig, er hat (auch für mich "Normalchristen") zu beten, die kirchlichen Serviceleistungen zu vollziehen, ... - und im Übrigen sich aus meinem Leben gefälligst herauszuhalten (wovon er ja aufgrund seines heiligen Lebens sowieso nichts versteht) – und: Ich selbst brauche mich daher um "Frommes" nicht zu kümmern; dafür ist ja er (allein)zuständig. Eine tolle Linie, die im gleichen Maße "schön", "heilig" (im negativsten Sinn des Wortes), wie auch zutiefst unchristlich ist.

 

Wider einer lebensentzogenen Frömmigkeit

Ich glaube an einen Mensch gewordenen Gott, dem Lebensfremdes, kitschig-Frommes ein Graus ist, der in die konkrete Lebenswirklichkeit von uns Menschen hineinsteigt, der sich darauf einläßt bis zum letzten, ein Gott, der keine im Weg stehenden und Gnade regulierenden Zwischeninstanzen braucht, sondern sich höchstpersönlich ganz und solidarisch in unser Leben stellt. Dementsprechend sind sämtliche dem Leben entzogenen Klerikalismen (s. o.) widerchristlich!

Was soll also dann dennoch all der Tamtam um 2 "Kleriker"? Wie läßt sich eine solche Bedeutung rechtfertigen, die in katholischer Tradition sogar dadurch zum Ausdruck kommt, daß ein eigenes Sakrament – die Priesterweihe – solche Menschen auf zentrale Positionen (nicht aber in den Mittelpunkt! – der ist für den reserviert, der gesagt hat "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben!" – Jh 14,6) innerhalb der Gemeinde rückt?

 

Priester sein heute

Priesterweihe ersetzt nicht das wichtigste Sakrament, die Taufe, sondern baut (wie alle anderen, z. B. die Ehe) darauf auf. Sie kann Grunddimensionen des Christseins nie ersetzen, sondern steht in deren Dienst. Priester ohne Gemeinde ist sinnlos.

Eine Hauptdimension des kirchlichen Amtes ist für mich die "Repräsentation Christi". Das meint nicht das Vertreten ("Repräsentieren") eines Abwesenden, sondern das durch das eigene Leben und Wirken deutlich Machen, daß ER da ist. Eine für mich schöne Beschreibung dessen ist, daß der Priester die Gegenwart Christi in dieser Welt "markiert" – allerdings in der Linie Jesu, der selbst ein (echter) Mensch geworden ist, also "mit Fleisch und Blut". Der amtlich handelnde Priester (z. B. bei der Eucharistiefeier) zeigt verbindlich an, daß Jesus da, daß ER am Werk ist. Nicht, weil der konkrete Priester so toll ist, so gut predigen oder feiern kann, sondern weil er diesen bestimmten Dienst in Sendung und Auftrag Jesu ausführt. Alles andere wäre maßlose Überforderung: Wenn ich erst durch tolles Benehmen oder Können die Nähe Jesu deutlich machen könnte, müßte ich gleich aufhören. Gott handelt u. a. an der Kirche, indem er sich besonders gesendeter Menschen bedient.

 

Heil (auch) von außen

Dies liegt in der Linie des alten, christlichen Prinzips, daß wir mehr sind, als wir selbst tun und leisten können. Erlöst sind wir nicht aus uns selbst heraus, sondern von Gott geschenkt (allerdings nicht an uns vorbei). Auch als Gemeinde sind wir nicht nur auf das in uns selbst Wachsende angewiesen, sondern auch von außen beschenkt. Der priesterliche Dienst verkörpert auch, daß wir uns aus uns selbst heraus nicht genügen, daß Gottes Heil nicht selbst gemacht werden kann, sondern von außen kommt, geschenkt wird. Die seit urkirchlichen Zeiten unaufhörlich durch "Handauflegung und Gebet" von Person zu Person weitergegebene Priesterweihe stellt in einer ganz bestimmten Weise die Verbindung über Zeiten und Orte hinweg mit dem her, "der ist und der war und der kommen wird" (Offb 1,8).

 

Dienst der Kirche

Priesterlicher Dienst ist aber auch "Repräsentation der Kirche". In alter Zeit gab es den Begriff der "korporativen Persönlichkeit" – eine Person (z. B. ein Hausvater), in dem und dessen Tun sich die Gemeinschaft vertreten fühlte – er handelt für die ganze Gemeinschaft. Im priesterlichen Tun vollzieht die kirchliche Gemeinschaft so manchen Dienst. Wenn der Priester z. B. in der Beichte die Vergebung verbindlich zusagt, tut er das im Namen Jesu, aber auch im Namen der Gemeinde – die Gemeinschaft der Christen verzeiht, durch die Worte des Priesters zum Ausdruck gebracht.

 

Amt gegen Volk

Selbstverständlich hat zu allen Zeiten zur Priesterweihe die Zustimmung des Volkes gehört – manchmal auch (aber keinesfalls immer) die Auswahl durch ebendieses. Beispiele dazu gibt es schon in der Bibel, z. B. in Apg 6,3: "Wählt aus eurer Mitte Männer ... Wir werden ihnen diese Aufgabe übertragen". Die Zustimmung des Volkes macht den Weihekandidaten dazu geeignet, im Namen kirchlicher Gemeinschaft handeln zu können, Handauflegung & Gebet stellen ihn in den Auftrag Jesu hinein. Diakon, Priester oder Bischof zu sein in Opposition zum Volk ist dementsprechend aus dem Kern des Amtes heraus völlig widersinnig und unchristlich.

 

Diese Feste – Feste der Gemeinde

Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Die Amtseinführung eines neuen Pfarrers ist daher in erster Linie ein Pfarrfest – als Pfarrgemeinschaft feiern wir, daß ein zentraler Dienst unserer Gemeinde durch eine (jetzt neue) Person wahrgenommen wird und die Gegenwart Jesu auch in dieser sakramentalen (= sichtbar-zeichenhaften) Form deutlich bleibt und lebendig gehalten wird. Die Weihe eines Diakons zeigt z. B. auch, daß die besondere Hinwendung Jesu zu den Armen (wer auch immer das heute ist) verbindlich zum Ausdruck kommt. Jeglicher Personenkult ist nicht nur fehl am Platz, sondern inhaltlich widersinnig. Amt soll schließlich auf den hinweisen, der wirklich Heil und Leben ist.

Ich weiß selbstverständlich, daß all die angerissenen Linien nur Teilaspekte darstellen. Ein Sakrament kann in seiner Tiefe wohl nie ganz ausgeleuchtet werden, unterliegt jeweils aktuellen Einflüssen und muß in konkreten Situationen durch konkrete, individuelle Menschen gelebt werden (wo dann natürlich auch zeitbedingte Sackgassen nicht auszuschließen sind). Wichtig ist aber, daß "das Ganze" lebt, weil christliche Gemeinde und ihre Amtsträger dem verpflichtet und für ihn Zeugen sind, der "gekommen ist, daß ihr das Leben habt und es in Fülle habt" (Jh 10, 10). Ich meinerseits werde nach bestem Wissen und Gewissen meinen Teil dazu beitragen, daß diese Gemeinde lebendig bleibt.

Pfarrer Gerald Gump

PS: Sämtliche Ausführungen über Priester (hier immer in geschlechtsneutraler oder männlicher Form verwendet) meinen das Priester-Amt unabhängig von den Bedingungen der Zulassung dazu (zölibatär oder auch verheiratet, ...) – dies ist in diesem Artikel nicht Thema.

Link zu Stephanscom.at zur Weihe
 
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