| Streiten für mehr Leben |
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Bischof de Witte aus der Diözese Ruy Barbosa (Itaberaba) beim Bischofsfest in Graz Die Armbanduhr des brasilianischen Bischofs André de Witte ist gut 40 Jahre alt und dementsprechend abgewetzt. Seine Schwester habe mit dem ersten verdienten Geld ihren Brüdern eine Uhr gekauft, verrät der aus Belgien stammende Bischof. Er war der von am weitesten her gekommene Ehrengast beim Fest mit den Bischöfen Dr. Egon Kapellari und Johann Weber am Weißen Sonntag in Graz. "Welthaus" unterstützt seit zehn Jahren die Arbeit von Bischof de Witte mit landlosen Bauern. Der Bischof dankt für diese Solidarität und das "Zusammen auf dem Weg sein". Ein heiteres Zeichen dafür war, dass Bischof Kapellari dem brasilianischen Mitbruder für das Fest im Dom eine rote Soutane von sich lieh, da der Gast nicht die passende mit hatte. "Ein bisschen zu groß" sei sie ihm gewesen, meint Dom André. An Kapellari habe ihn die "Ruhe und Selbstsicherheit" beeindruckt. Er gehe seinen Weg und wisse, was von ihm erwartet werde. In Brasilien würde so eine Messe mehr als drei Stunden dauern, erzählt der Bischof der Diözese Ruy Barbosa im Bundesstaat Bahia. Man habe mehr Zeit für spontane Äußerungen, und es kämen mehr Leute aus dem Volk zu Wort. In den ersten Reihen würden nicht Politiker sitzen, sondern die Priester und anderen seelsorglichen Mitarbeiter des Bischofs. Eine "ministerielle", ganz auf den Dienst ausgerichtete wolle die brasilianische Kirche sein, bekannte der Bischof. Dialogisch und gesellschaftsverändernd müsse die ganze Pastoral sein. Die Kirche nehme partnerschaftlich am Aufbau einer gerechten Gesellschaft teil. Sein Streit für die Armen als Bischof der Landlosenbewegung in Bahia gehöre zur kirchlichen Arbeit und sei nicht nur ein soziales Werk. Die Kirche helfe den Bauern, zu Land zu kommen und auf dem Grund bleiben zu können. Auf dem sehr trockenen, dürren Boden leite eine Schule die Menschen zum alternativen Landbau an, berichtet de Witte. Hier können die Bauern selbstständig arbeiten, ohne immer, wie vorher auf den Plantagen, auf Befehle zu warten. Der 1944 in Belgien geborene Sohn eines Bauern - auf dem Weg nach Graz sagte er schnell seiner Mutter Grüß Gott - studierte nach seiner Priesterweihe Agronomie, Landwirtschaft. "Auf dem ersten Platz stehen nicht die Menschen, sondern der Profit", brandmarkt er das neoliberale Marktsystem, das als "einziges Denken" der ganzen Welt aufgezwungen werde. Diese globale Marktpolitik bedeute nicht nur Elend für die Menschen in Brasilien. Sie dränge auch in Europa die Bauern an den Rand. Das System sei eben "nicht darauf ausgerichtet, Leben zu verbessern". Das Soziale, Gesundheit und Ausbildung werden überall als "Kosten, die beschränkt werden sollen", betrachtet. "Dramatische Nebeneffekte" habe zudem, dass der Landbau seit Jahren zu einer Industrie geworden sei. Opfer seien auch jene Bauern, die noch natürlich arbeiten. Wenn jetzt den Millionen Landsuchenden in Brasilien versprochen werde, sie bekommen Kredite, um Grund kaufen zu können, bedeute das wieder einen Profit für die Großgrundbesitzer, bedauert de Witte. Die Kirche stehe klar auf der Seite der Menschen, die Grund brauchen. Dass die Bischofskonferenz die Landlosenbewegung nicht mehr unterstütze, sei "eine Lüge". Zeitungen hatten das berichtet, weil die Kirche mit weiteren Vermittlungsbemühungen warten wollte, bis sich die Lage beruhige. "Wir sind nicht die Anführer, aber wir sind dabei", kennzeichnet der Bischof die Stellung der Kirche zu den Landbesetzern. Sie wolle mutig, aber nicht unvorsichtig sein, "denn wir brauchen unsere Leute in der Kirchengemeinde lebendig und nicht tot". Die Kirche sei "nicht nur römisch, sondern universell und in Brasilien brasilianisch", entfaltet Dom André. Seinen Wahlspruch "Cristo sempre" , Christus immer, habe er 1994 bei der Bischofsweihe daher auf Portugiesisch gewählt. Als Bischof sei für ihn "nicht die Person von Dom André wichtig, sondern das Bischofskollegium, der Dienst in Solidarität mit den anderen Bischöfen". Der Besuch in Österreich habe ihm gut getan, gesteht der Bischof von Ruy Barbosa. Die menschliche und kirchliche Bereicherung sei wertvoll. Ein wirklicher Austausch von Menschen, die "für mehr Leben streiten", habe sich ereignet. Wenn Europa denke, "wir haben mehr", sei das eine "Versuchung". Es stimme zwar, was materielle Strukturen betreffe, und Brasilien sei auch dankbar für neue Mittel. Doch den steirischen Christen tue gut, wenn sie "die menschliche Wärme aus Bahia" spüren oder die Lebendigkeit in der Liturgie. Bischof de Witte dankte dem "Welthaus", dass es Menschen aus Brasilien einlade, die erzählen, "wie sie es machen". Das sei "der Reichtum". |

