Pfarr-Budget
aus der Pfarrzeitung "Das Gespräch" vom Juni 2000
Ein heißes Thema war und ist wohl überall das Geld. Eines gleich vorweg: Wir liegen im "modernen Trend": Es wird enger und wir müssen sparen. Hier ein kleiner Überblick, was in einer (unserer) Pfarre finanziell "läuft"... Als "Betrieb" mit mehreren Grundstücken und Bauwerken, mehreren Dienstnehmer/inne/n usw. ist der pfarrliche Ablauf auch in Finanzbereichen ein gar nicht kleines "Unternehmen". Jedoch sind wir eine "Firma", deren Zielsetzung in den Grundzügen sehr klar festgelegt ist (das "Parteiprogramm" heißt Bibel), jedoch laufender Konkretisierungen bedarf. Die konkreten Umsetzungen werden u. a. durch die materiellen Grundlagen möglich, durch diese zugleich aber auch Schwerpunktsetzungen deutlich. Die "Einnahmen" Das aus mehreren Millionen bestehende Pfarrbudget hat einnahmenseitig als einen wesentlichen Posten den Kirchenbeitrag. Im Jahr 2001 wird die Finanzierung der Pfarre auf eine neue, moderne Form umgestellt. In dieser laufen 66% der Einnahmen von Zahlenden aus unserem Pfarrgebiet direkt ins pfarrliche Budget. Dementsprechend drastisch wirken sich Kirchenaustritte direkt auf pfarrliches Leben und Möglichkeiten aus. Zugleich möchte ich aber auch die Gelegenheit wahrnehmen, all den unzählig Vielen für die korrekte Zahlung ihres Beitrags zu danken. Ein weiterer, wesentlicher Posten sind die riesigen Spendenaufkommen – insbesonders aus dem Kreis der Gottesdienstbesucher. Ohne diese wäre über das "Mindestmaß" hinaus kaum etwas möglich. Persönlich muß ich sagen, dass ich im Vergleich mit mehreren Pfarren, die ich intensiv kenne, viel mehr aber noch mit anderen vergleichbaren Bereichen von der Spendenfreudigkeit der Schwechater wirklich tief beeindruck bin. Jetzt gibt es natürlich noch viele Einnahmequellen: Veranstaltungen, Friedhofserträge, Mieteingänge, u. v. a. m. Das, was aber im pfarrlichen Budget den mit Abstand größten Posten ausmacht, und dennoch (trotz genauester und überprüfter Buchführung) nirgends aufscheint, sind die tausenden, ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden: von Gruppenarbeit bis zu Handwerklichem, Flüchtlingsbetreuung bis zu Gottesdienstgestaltung. Beispielsweise stehen auf der Liste pfarrlicher Bereichsverantwortlicher weit über 100 Personen (Gruppenleitende, Bereichszuständige etc. - nicht "einfache" Gruppenmitglieder oder Mitarbeitende). Selbstverständlich ist diese unüberschaubar große Ehrenamtlichen-Tätigkeit das mit Abstand größte "Kapital" der Kirche Österreichs, so auch unserer Pfarre – sie adäquat zu bezahlen würde das Pfarrbudget vervielfachen. Die "Ausgaben" Viele Faktoren sind hier fix: Gehälter (3 pastoral Tätige, 1 Pfarr-Sekretärin, 4 Personen Kindergarten- und 3 Friedhofs-Crew), Erhaltung und Betriebskosten der Gebäude (Pfarrkirche, Kleinschwechat, Pfarrhaus, Gemeinde- und Sozialzentrum Zirkelweg, Internationales Wohnheim usw.), Steuern oder Büroaufwand sind kaum beeinflußbar. Das, was neben dem ein Haupt-Ausgabeposten ist, ist zwar theoretisch veränderbar, faktisch jedoch nicht, wenn wir "christliche" Pfarrgemeinde bleiben wollen: Die Aufwendungen für Sozial-Caritatives, sowie Pastorales. Unter diesen Titel fallen für "Soziales" sämtliche Kosten für unser "Internationales Wohnheim" (ehem. "Bosnierbaracke"), Sozialzentrum Zirkelweg, Caritas-Ausgaben, Seniorenbetreuung, Notfallsunterstützungen u. Ä., für "Pastorales" sämtlicher Aufwand für Sakramentsvorbereitung und -Feier (Taufe, Ehe, Erstkommunion etc.), Gottesdienstliches, Material für Gruppenarbeit, Kinder- & Jugend- oder Bildungsarbeit u. v. a. m. Irgendwo sind unter dieser Rubrik wohl auch die vielen Rückzahlungen für Darlehen einzuordnen (jährlich etwas über einer ¾ Mio. ÖS), die für div. Renovierungen, insbesonders aber für Bau und Umbau der Zirkelweg-Bereiche (Sozial- & Gemeindezentrum, sowie Internationales Wohnheim) aufgenommen wurden – es waren und sind Investitionen in die Zukunft. Unser gegenwärtiger Stand Im Blick auf das Jahr 2001 wird unsere Pfarrfinanzierung umgestellt – weitere, wesentliche Geld-Verantwortlichkeiten werden von der Diözese in pfarrliche Verantwortung übertragen. Für alle Finanzbereiche ist unser alle 5 Jahre demokratisch gewählter Pfarrgemeinderat voll verantwortlich. In diesem laufen daher derzeit Überlegungen, wie wir die folgenden Budgets gestalten werden. Im Groben zeichnet sich aufgrund der steigenden Anzahl von Kirchenaustritten eine ziemliche Reduzierung der pfarrlichen Finanzmittel ab – hier gilt es zu überlegen, in welchen Bereichen wir noch mehr sparen müssen: Fixkosten sind kaum beeinflußbar, in sozialen bzw. pastoralen Bereichen dürfen wir's sicherlich nicht zuerst (wenn wir die Worte unseres "Firmengründers" ernstnehmen). Vielleicht gelingt es uns, neue Einnahmsquellen zu erschließen, da der "Geld-Melkkuh-Klon" leider noch nicht einmal im Labor-Stadium ist. Resume Selbstverständlich darf Geld nicht das Zentrale sein und ist es auch nicht. Nur schafft es eine der Grundlagen, dass das Wesentliche möglich wird. Daher an dieser Stelle einen großen Dank an alle, die durch ihren Beitrag (Spenden, Kirchenbeitrag, Mitarbeit, ...) all dies ermöglichen und zugleich die Bitte, auch weiterhin auch auf diese Weise für die nötigen Grundlagen so treu beizutragen. Pfarrer Gerald Gump |