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aus der Pfarrzeitung „das gespräch“ (Februar 2012)

Kultursteuer und Kirchenfinanzierung: Kirche finanziert die Bundesrepublik Österreich
Er ist etwas holprig angekommen, der Vorschlag, den ein oberösterreichischer Bauernbund-Funktionär gebracht hat: Ein Kulturbeitrag für aus der Kirche Ausgetretene.
Schnell war das Thema Kirchenfinanzierung in der Öffentlichkeit und ist – wie oft – bald in polemische Kurz-Parolen abgeglitten. Und doch ein guter Anlass, hier einen
tieferen Blick auf die wirkliche Situation zu werfen…

Kirchenfinanzierung heute
Der Finanz-Rechenschaftsbericht der Erzdiözese Wien weist aus, dass 85% der Einkünfte aus dem Kirchenbeitrag sind. Bei den Ausgaben sind 57% Personalkosten, 10% gehen direkt in Baulasten – rein diözesan. Zu diesen Bau-Geldern kommen noch all die vielen Kosten, die durch Pfarren etc. dabei selbst getragen werden. Denn das Diözesan-Budget ist nur ein kleiner Teil kirchlicher Finanzierung. Die Diözese Wien besteht aus vielen extra budgetierenden Kleineinheiten, darunter allein aus 660 Pfarren – von einer daraus, der unseren, kann ich Näheres berichten. Verantwortlich für die Finanzen ist der demokratisch gewählte Pfarrgemeinderat (Neuwahl österreichweit am 18. März 2012). Bei einem Umsatz von etwa 1 Mio Euro wird bei uns deutlich mehr als ein Drittel im Bereich Caritas (inkl.   Sozialprojekt Zirkelweg) verwendet, ein Viertel im Bereich („Pfarre“) und der Rest in Pfarrkindergarten und Pfarrfriedhof umgesetzt. Aber: Übrig bleibt da nichts; im Gegenteil: Durch den Ausfall von Fördermittel des Landes für das Sozialprojekt Zirkelweg, sowie drastisch steigende Kosten/Aufwendungen im Sozialbereich (wo wir aus christlichem Hintergrund nicht leichtfertig kürzen wollen) ist bei uns ein deutlicher Sparkurs nötig.

Das „Kapital“ der Kirche
Bis hierher ein Kurzüberblick auf Zahlen, die aber nur kleine Teile der Wirklichkeit abbilden. Denn das wirkliche Kapital sind die Menschen, die viel „Herzblut“ und unzählige ehrenamtliche Stunden ins pfarrliche Engagement, in sozial-caritative Dienste oder Einzelprojekte investieren. Vor einigen Jahren haben wir einmal die investierte Stundenanzahl einzig der Gruppen- und Bereichsverantwortlichen unserer Pfarre zusammen gerechnet: Weit über 15.000 Stunden pro Jahr sind da heraus gekommen. Mit einem Satz von z. B. Euro 15,– multipliziert (was kostet eine Handwerkerstunde normal?) ergibt dies nur auf Ebene unserer Bereichsverantwortlichen ¼ Million Euro – und dieser Faktor ist noch mit einer größeren Zahl zu multiplizieren, wenn neben den Hauptverantwortlichen alle Engagierten einberechnet  würden. Allein diese einfache Überschlagsrechnung zeigt, dass das ehrenamtliche Engagement unbezahlbar ist – und dennoch kostet.

Beispiel: Sternsinger-Aktion
Ein konkretes Beispiel: Unsere Sternsingeraktion 2012 hat 19.500 Euro „ersungen“. Davon ist kein Cent pfarrlich verwendet worden, sondern der (durch die Pfarre aufgerundete) Betrag zu 100% in die  nachhaltige Entwicklungs-Projektarbeit für Menschen im Süden weitergegangen. Gezählte 139 verschiedene Menschen waren dafür von Einzel-Halbtagen bis zu über eine Woche ehrenamtlich beteiligt – nein: 138, weil ich (der ich einer davon war) ja aus Mitteln des Kirchenbeitrages bezahlt werde. All dies ist nur möglich, weil Heizung, Ausbildungen, Material, Verpflegung, Gewänder, Öffentlichkeitsarbeit, Fortbildung u. v. a. m. aus dem normalen Pfarrbudget finanziert wird. Die Diözesane Jungschar, welche als größte  Kinderorganisation Österreichs die Sternsingeraktion veranstaltet, wird – erraten: durch Kirchenbeitragsmittel finanziert. Sternsinger – ein Projekt, das für viele steht: Das Wesentliche geschieht durch ehrenamtlich Engagierte,  aber wäre nur schwer möglich, wenn nicht die Grundfinanzierung aus Kirchenbeiträgen und pfarrlichen Spenden erfolgt.
Was würde in Österreich alles ohne Organisationen wie unsere Kirche fehlen: An caritativem Engagement oder Sinngebung durch religiöse Vertiefung, Feier und Weitergabe, an Veranstaltungen bis hin zu Festen. Selbstverständlich sind wir als Kirche hier keine Monopolhalter: Was wäre Österreich ohne Rotes Kreuz, Feuerwehren, verschiedenste Projektgruppen und unzählige vergleichbare Initiativen
und Organisationen.

Und die „Kultursteuer“
Doch jetzt zurück zur Ausgangs-Frage. Ein Großteil der denkmalgeschützten Gebäude (allein in der Diözese Wien sind es 1.600) sind in kirchlichem Besitz. Auf den ersten Blick natürlich ein großer Reichtum – aus zweiter, nämlich finanzieller Perspektive dagegen eine – nennen wir es – große Herausforderung. Denkmalgeschützt heißt: Bei der Renovierung redet das Denkmalamt mit, konkret: Es macht verbindliche Vorgaben. Ein Beispiel: Der Flughafen finanziert in manchen Intensiv-Lärmzonen (wo auch unser Pfarrhof dazu gehört) Lärmschutzfenster – zu 100%. Wir wollen solche Fenster – aber das Denkmalamt lässt die dazu vorgesehenen nicht zu, nur andere, die extra angefertigt und massiv teurer sind. Sie dürfen raten, wer die Differenz zahlen darf…

Kirche finanziert Republik Österreich
Ähnlich wie zuvor beschrieben ist es bei allen Baumaßnahmen: Mit viel Glück sind (neben baulichen Vorgaben) in besonderen Fällen einige wenige Prozent an Subvention durch öffentliche Mittel möglich: Bund oder Land, bei uns sicher überproportional viel durch die Stadtgemeinde (danke dafür!).  Aber selbstverständlich sind in fast allen Fällen die allein 10% Mehrwertsteuer mehr, als die Subventionen. Ergo: An jeder Renovierung verdient der Staat grundsätzlich.

Bau-Finanzierung in Zukunft
Es ist keine schwere Rechnung, dass bei rückgehender Katholik/inn/en-Anzahl (die Austritts-Statistiken sind ja bekannt) immer weniger Menschen einen Großteil der denkmalgeschützten Gebäude  finanzieren – es profitieren aber alle davon; denn: Was wäre Österreich (insbesonders im Fremdenverkehr) ohne Stephansdom und Salzburger Innenstadt, ohne Stifte und Klöster bis hin zu einer Kirche in  jedem Ort. Was schauen Sie an, wenn Sie im Urlaub durch ein kleines oder größeres Dorf schlendern? Hier nach mehr Beteiligung aller zu rufen, ist nachvollziehbar – wenn auch die Idee eines  Kirchenbeitrages für Ausgetretene“ natürlich schwer verständlich ist. Jedoch eine stärkere Förderung verschiedenster kirchlicher Leistungen wie Denkmalpflege oder caritativer Tätigkeiten durch alle (z. B.   über eine MwSt.-Befreiung für denkmalgeschützte Sanierungsarbeiten) wäre durchaus gerecht. Die  seit 2012 gültige Regelung, dass Euro 400,– des Kirchenbeitrages steuerlich absetzbar sind, geht hier sicher in die richtige Richtung;  die Absetzbarkeit verschiedener Spenden ist schon etwas länger möglich und war ebenso höchst angesagt. Es wäre ja einmal eine interessante Rechnung, wie viele Milliarden sich der Staat dadurch erspart, weil er viele Leistungen nicht selbst (via bezahlte Angestellte) finanzieren muss…

Bei allen Problemen, die es um den Kirchenbeitrag gibt, bin ich dennoch sehr froh, dass auf diesem sozial gestaffelten Weg die Grundbereiche finanziert werden können, die Boden für das Wesentliche bilden: Ehrenamtliches Engagement, caritatives Wirken, Sinngebung aus einer tiefen Verwurzelung in Gott und Orte des Lernens dessen…

In diesem Sinne: Danke, dass Sie mit Ihrem Kirchenbeitrag all dies ermöglichen!
Ihnen einen lieben Gruß
Ihr Pfarrer Gerald Gump

Übrigens: Wussten Sie, dass…
…57% der Kirchenbeitragsmittel für Personalkosten verwendet werden?
…der überwiegende Anteil Ihres Kirchenbeitrages direkt oder indirekt unserer Pfarre zugute kommt?
…aus dem Kirchenbeitrag Klöster, Stifte, oder der Vatikan so gut wie gar nicht finanziert wird?
…Sie Ihren Kirchenbeitrag selbst „ermäßigen“ können: Mit Frühzahlerbonus, Einzugsermächtigung, Abklärung Ihrer konkreten Lebensumstände (wo oft erst im Gespräch mit der Kirchenbeitragsstelle verschiedene Absetz-Posten entdeckt und angerechnet werden können) usw.
…ein durch einen Kirchenaustritt beabsichtigter „Denkzettel“ an „die da oben“ nicht Papst oder Bischof (die beide nicht aus dem Kirchenbeitrag bezahlt werden) trifft, sondern notgedrungen die pfarrliche Finanzierung schmälert?
…man für „den Glauben nicht zahlen kann“ – natürlich! Aber durch den Kirchenbeitrag werden Menschen, Material und Orte finanziert, die dem Glauben Raum geben und dessen Weitergabe fördern…




aus der Pfarrzeitung "Das Gespräch" vom Juni 2000


Ein heißes Thema war und ist wohl überall das Geld. Eines gleich vorweg: Wir liegen im "modernen Trend": Es wird enger und wir müssen sparen. Hier ein kleiner Überblick, was in einer (unserer) Pfarre finanziell "läuft"...

Als "Betrieb" mit mehreren Grundstücken und Bauwerken, mehreren Dienstnehmer/inne/n usw. ist der pfarrliche Ablauf auch in Finanzbereichen ein gar nicht kleines "Unternehmen". Jedoch sind wir eine "Firma", deren Zielsetzung in den Grundzügen sehr klar festgelegt ist (das "Parteiprogramm" heißt Bibel), jedoch laufender Konkretisierungen bedarf. Die konkreten Umsetzungen werden u. a. durch die materiellen Grundlagen möglich, durch diese zugleich aber auch Schwerpunktsetzungen deutlich.

Die "Einnahmen"
Das aus mehreren Millionen bestehende Pfarrbudget hat einnahmenseitig als einen wesentlichen Posten den Kirchenbeitrag. Im Jahr 2001 wird die Finanzierung der Pfarre auf eine neue, moderne Form umgestellt. In dieser laufen 66% der Einnahmen von Zahlenden aus unserem Pfarrgebiet direkt ins pfarrliche Budget. Dementsprechend drastisch wirken sich Kirchenaustritte direkt auf pfarrliches Leben und Möglichkeiten aus. Zugleich möchte ich aber auch die Gelegenheit wahrnehmen, all den unzählig Vielen für die korrekte Zahlung ihres Beitrags zu danken.

Ein weiterer, wesentlicher Posten sind die riesigen Spendenaufkommen – insbesonders aus dem Kreis der Gottesdienstbesucher. Ohne diese wäre über das "Mindestmaß" hinaus kaum etwas möglich. Persönlich muß ich sagen, dass ich im Vergleich mit mehreren Pfarren, die ich intensiv kenne, viel mehr aber noch mit anderen vergleichbaren Bereichen von der Spendenfreudigkeit der Schwechater wirklich tief beeindruck bin.

Jetzt gibt es natürlich noch viele Einnahmequellen: Veranstaltungen, Friedhofserträge, Mieteingänge, u. v. a. m. Das, was aber im pfarrlichen Budget den mit Abstand größten Posten ausmacht, und dennoch (trotz genauester und überprüfter Buchführung) nirgends aufscheint, sind die tausenden, ehrenamtlich geleisteten Arbeitsstunden: von Gruppenarbeit bis zu Handwerklichem, Flüchtlingsbetreuung bis zu Gottesdienstgestaltung. Beispielsweise stehen auf der Liste pfarrlicher Bereichsverantwortlicher weit über 100 Personen (Gruppenleitende, Bereichszuständige etc. - nicht "einfache" Gruppenmitglieder oder Mitarbeitende). Selbstverständlich ist diese unüberschaubar große Ehrenamtlichen-Tätigkeit das mit Abstand größte "Kapital" der Kirche Österreichs, so auch unserer Pfarre – sie adäquat zu bezahlen würde das Pfarrbudget vervielfachen.

Die "Ausgaben"
Viele Faktoren sind hier fix: Gehälter (3 pastoral Tätige, 1 Pfarr-Sekretärin, 4 Personen Kindergarten- und 3 Friedhofs-Crew), Erhaltung und Betriebskosten der Gebäude (Pfarrkirche, Kleinschwechat, Pfarrhaus, Gemeinde- und Sozialzentrum Zirkelweg, Internationales Wohnheim usw.), Steuern oder Büroaufwand sind kaum beeinflußbar. Das, was neben dem ein Haupt-Ausgabeposten ist, ist zwar theoretisch veränderbar, faktisch jedoch nicht, wenn wir "christliche" Pfarrgemeinde bleiben wollen: Die Aufwendungen für Sozial-Caritatives, sowie Pastorales. Unter diesen Titel fallen für "Soziales" sämtliche Kosten für unser "Internationales Wohnheim" (ehem. "Bosnierbaracke"), Sozialzentrum Zirkelweg, Caritas-Ausgaben, Seniorenbetreuung, Notfallsunterstützungen u. Ä., für "Pastorales" sämtlicher Aufwand für Sakramentsvorbereitung und -Feier (Taufe, Ehe, Erstkommunion etc.), Gottesdienstliches, Material für Gruppenarbeit, Kinder- & Jugend- oder Bildungsarbeit u. v. a. m. Irgendwo sind unter dieser Rubrik wohl auch die vielen Rückzahlungen für Darlehen einzuordnen (jährlich etwas über einer ¾ Mio. ÖS), die für div. Renovierungen, insbesonders aber für Bau und Umbau der Zirkelweg-Bereiche (Sozial- & Gemeindezentrum, sowie Internationales Wohnheim) aufgenommen wurden – es waren und sind Investitionen in die Zukunft.

Unser gegenwärtiger Stand
Im Blick auf das Jahr 2001 wird unsere Pfarrfinanzierung umgestellt – weitere, wesentliche Geld-Verantwortlichkeiten werden von der Diözese in pfarrliche Verantwortung übertragen. Für alle Finanzbereiche ist unser alle 5 Jahre demokratisch gewählter Pfarrgemeinderat voll verantwortlich. In diesem laufen daher derzeit Überlegungen, wie wir die folgenden Budgets gestalten werden. Im Groben zeichnet sich aufgrund der steigenden Anzahl von Kirchenaustritten eine ziemliche Reduzierung der pfarrlichen Finanzmittel ab – hier gilt es zu überlegen, in welchen Bereichen wir noch mehr sparen müssen: Fixkosten sind kaum beeinflußbar, in sozialen bzw. pastoralen Bereichen dürfen wir's sicherlich nicht zuerst (wenn wir die Worte unseres "Firmengründers" ernstnehmen). Vielleicht gelingt es uns, neue Einnahmsquellen zu erschließen, da der "Geld-Melkkuh-Klon" leider noch nicht einmal im Labor-Stadium ist.

Resume
Selbstverständlich darf Geld nicht das Zentrale sein und ist es auch nicht. Nur schafft es eine der Grundlagen, dass das Wesentliche möglich wird. Daher an dieser Stelle einen großen Dank an alle, die durch ihren Beitrag (Spenden, Kirchenbeitrag, Mitarbeit, ...) all dies ermöglichen und zugleich die Bitte, auch weiterhin auch auf diese Weise für die nötigen Grundlagen so treu beizutragen.

Pfarrer Gerald Gump

 
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