Aktuelles arrow Aktuelles arrow Nachdenkgeschichte
Nachdenkgeschichte PDF Drucken

Hallo, meine Lieben. Wenn sich schon die Menschen wegen der Sichtweise bezüglich des lieben Gottes den Schädel einschlagen, könnten sie doch aus dieser Tiergeschichte von William Yeats etwas lernen.

LG Gerhard

Der Indianer und Gott

Ich wanderte am Waldessaum im letzten Abendlicht,

Ich hörte, was am Wasserrand das feine Schilfrohr spricht:

Ich wiegte mich in Frieden ein . . . Moorhühner huschten dort

Am feuchten Grashang hin und her, und ich verstand ihr Wort.

 

Ich hörte, wie der alte Hahn zu seiner Sippe sprach:

„Er, der die Welt im Schnabel hält, uns stark gemacht und schwach,

Ein ew‘ges Moorhuhn ist er, traun, und schwebt am Himmelsfeld,

Von seinen Schwingen träuft der Tau, sein Aug die Nacht erhellt.“

 

Die Lotosblume hob ihr Haupt auf linder Wellen Spiel:

„Er, der die Welt regiert, er hängt an einem langen Stiel,

Denn mich erschuf er sich zum Bild, und diese weite Flut

Ist nur ein Wassertropfen, der in seinem Kelche ruht.“

 

Und etwas weiter stand ein Reh im kühlen Wiesentau,

Die Augen voller Sternenlicht und sprach: „Auf Himmelsau

Der ew‘ge Wandrer ist ein Reh, mich schuf er sich zum Bild,

Wie könnt er mich erdenken sonst, so zärtlich und so wild.“

 

Und weiter noch — da saß ein Pfau im königlichen Kleid:

„Der Gras und Wurm und Korn erschuf und meine Herrlichkeit,

Er ist fürwahr ein heil‘ger Pfau und schlägt am Himmelspfad

Mit tausendfacher Augen Glanz sein riesenhaftes Rad!“

 
>