| Interview mit Dona Maria und Nilzete Pastoralassistentinnen in Itaberaba |
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Das Jahr 2001 hat seinen Ausklang gefunden. Eine gute Gelegenheit auf einige Ereignisse aus "Itaberabischer Perspektive" zurückzublicken. Angelika Kemper hat im Oktober Itaberaba besucht und folgendes Inetrview mit Dona Maria (die viele von Ihrem Besuch in Schwechat her kennen) und Nilzete geführt. Dona Maria, Nilzete viele in Schwechat fragen immer wieder nach eurem Befinden und eurer Energie, wie geht es euch? Dona Maria "Mir geht´s, so wie Gott es will. Meine Gesundheit ist ja nicht mehr die Beste, aber sagen wir mir geht´s gut. Einige meiner Kinder sind arbeitslos und ich habe den großen Wunsch von Itaberaba wegzugehen, um näher bei meinen Kindern sein zu können. Was mich aber am meisten freut, ist, dass ich heuer meine Ausbildung zur Missionarin abgeschlossen habe (Dona Maria hat die Escola Missionária in Juazeiro besucht und sich dort vier Jahre lang tw. im Fernkurs weitergebildet.). Nilzete "Auch ich bin gerade im dritten und vorletzten Jahr der MissionarInnenschule und werde nächstes Jahr fertig. Neben meiner Tätigkeit in der Pfarrkanzlei pflege ich meine alte und kranke Mutter und mein Sohn macht Probleme. Aber das sind Dinge, die ihr ja auch alle kennt." Was macht eure Arbeit in der Pfarre? Welche Neuigkeiten könnt Ihr uns berichten? Dona Maria "Es gibt eigentlich wenig Neues. Unser Kampf gegen die Privatisierung des Wassers, Dito hat euch davon berichtet, lief sehr gut und jetzt habe ich in der Stadt den Ruf, eine Terroristin zu sein. Ich durfte z.B. nicht ins Gemeindeamt hinein, als wir am Tag des Schreis der Ausgeschlossenen (Anmerkung: 7.Sept. Nationalfeiertag) eine Station machen wollten. Auch die Frauen- und die Schwarzenbewegung sind sehr aktiv." Nilzete "Etwas ganz Neues, wir sind gerade dabei eine Familienpastoral aufzubauen. Ich mache Beratungen bei Ehekrisen." Wie laufen diese Beratungen ab? Nilzete "Wir hören zu aller erst zu. Niemals sagen wir was die Leute zu tun haben, niemals dürfen wir werten. Es ist eher eine moralische Unterstützung für Paare, die gerade eine Krise durchleben. Die Methode dieser Beratungen haben wir auf der MissionarInnenschule erlernt. Und in meinem Stadtviertel unterstütze ich die Gemeinde vor allem konkret durch Bibelarbeit, darin habe ich jetzt durch meine Ausbildung ja einiges dazugelernt." Dona Maria "Ich bin bei der Besuchspastoral sehr aktiv und mache viele Krankenbesuche, gebe Vorträge in Schulen zum Thema "Schwarze in Brasilien" und über Familie. Ich leite jetzt auch Begräbnisfeiern. Heuer wurde ich auch in eine priesterlose Gemeinde in den Bergen eingeladen, da habe ich mit den Menschen die gesamten Karwochenliturgien gefeiert. Das hat mir Spaß gemacht und den Leuten hat es gefallen. Ich glaube nächstes Jahr mache ich es wieder! Ich denke mir immer, dass ich gar nicht viel schaffe, aber wenn ich alles jetzt so aufzähle, dann merke ich, es ist doch eine ganze Menge." Was würdet ihr als die besonderen Ereignisse, die Höhepunkte dieses Jahres bezeichnen? Nilzete "Mit Sicherheit ‘der Schrei der Ausgeschlossenen (Grito dos excluidos)‘. Erstmals haben sehr viele Menschen an dieser Gegenveranstaltung zu den offiziellen Nationaltagsfeiern teilgenommen. Ich denke fast, wir hatten eine größere Beteiligung und auch TV und Radios haben mehr über den Grito als über die Regierungsfeiern berichtet." Dona Maria "Wir Frauen von der Frauenbewegung haben einen siebenköpfigen Drachen gebastelt, aus seinem Schlund ist Rauch gedrungen und die sieben Köpfe haben wir benannt mit Auslandsverschuldung, Privatisierungen, kein adäquates Erziehungswesen usw. Wir haben unsere Probleme genannt. Aber auch die Jugendlichen haben sehr aktiv mitgewirkt." Wie läuft denn das Radioprojekt? Dona Maria "Im Augenblick ist es leider wieder geschlossen und das, obwohl unser Radio Rosário von der Bevölkerung gut akzeptiert, ja nahezu geliebt wird. Wir sind jedoch den Politikern im Ort ein Dorn im Auge, weil wir Ungerechtigkeiten beim Namen nennen und weil die Wahrheit für sie einfach unangenehm ist. In der letzten Zeit hatten sie uns 5 mal das Radio geschlossen, einige Male davon waren wirklich gute Erfahrungen. Als Dito (ehemaliger Priester in Itaberaba) und seine Crew die ganze Bevölkerung zusammentrommelten und wir mit der Behörde direkt verhandelten, kamen die ganz schön ins Schwitzen. Jetzt wird Dito nach Brasilia fahren und dort mit dem Kommunikationsministerium direkt verhandeln. Wir werden ja sehen, ob das etwas bringt." Und zum Abschluss eure Grußbotschaft für Schwechat Dona Maria "Niemals werde ich euch vergessen. Es ist, als ob ihr meine Geschwister wärt und wir eine gemeinsame Nabelschnur hätten. Ich denke mit viel Sehnsucht an euch und habe den großen Wunsch euch wiederzusehen. Gott ist weiter derselbe Gott, ein Gott ohne Grenzen. Und oft denke ich an das, was Traude einmal gesagt hat. Ich kann zwar nicht portugiesisch, aber ich hab euch verstanden." Nilzete "In diesen Zeiten, wo die Welt in Kriege verstrickt ist, wünsche ich uns allen und der Welt viel Frieden. Euch in Schwechat alles Gute und bis zum nächsten Mal." Das Interview geführt und danach übersetzt hat Angela Kemper |

