„Romaria“ am Sa, 19. Juni 2010: Solidaritätswallfahrt zum „Tag des Flüchtlings“

P. Helm: „Orte, wo Arme sind, sind für uns die eigentlichen Orte der Gnade und Gottesbegegnung“

Mit weit über 100 Beteiligten fand am Sa, 19. Juni 2010 eine „Romaria“ statt: Eine Solidaritätswallfahrt zum „Tag des Flüchtlings“ von Schwechat nach St. Gabriel (Mödling). „Orte, wo Arme sind, sind im christlichen Sinne Orte der Gnade und Gottesbegegnung – die eigentlichen Wallfahrtsorte!“ betonte P. Franz Helm von den Steyler Missionaren, einer der Initiatoren, in seinem Eröffnungsstatement. Aus diesem Hintergrund wurde der Solidaritätsmarsch nach einem ersten Treffpunkt bei der Schwechater Pfarrkirche im „Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat“ begonnen, wo in den letzten 30 Jahren etwa 1000 Flüchtlinge aus 50 Nationen durch die Pfarrgemeinde betreut wurden.

Die Wallfahrt führte über verschiedenste andere im sozialen Tun engagierte Pfarren, wie z. B. die Pfarre Inzersdorf Don Bosco (Unterkunft für minderjährige alleinstehende Flüchtlinge des Don Bosco Flüchtlingswerks) oder dem Islamischen Friedhof / Inzersdorf, aber auch bei den Shopping Malls bei Vösendorf vorbei – vielfältige Stationen mit spirituell-politischen Impulsen, Apellen, Informationen und Gebet prägten den Weg bis zum Caritas-Flüchtlingsheim des Klosters St. Gabriel (Mödling), wo die Teilnehmenden mit einer dort von Flüchtlingen bereiteten Suppe empfangen wurden. Mit dem daran anschließenden politischen Abendgebet in der Klosterkirche fand die Wallfahrt ihren Abschluss: Dabei wurden die Inhalte des Tages wie Schubhaft, das lange Warten auf Asylbescheide, aber auch das Sterben an der EU-Außengrenzen nochmals thematisiert und im Gebet vor Gott getragen. „Nicht jene, die mit dem Kreuz in der Hand politisch agieren, sind Christen im Geist der Bibel, sondern jene, die sich wirklich auf die Seite der Armen und der Hilfesuchenden auf der Flucht stellen!“ betonte P. Franz Helm in seiner Predigt. Unzählige Kerzen wurden darauf hin im Gebet entzündet. Den Abschlusssegen spendete der Wiener Weihbischof Dr. Franz Scharl.

„Mich haben besonders die ausgesprochen tiefen Impulse am Weg beeindruckt“, erzählt Pastoralassistent Daniel Vychytil, der namens der Pfarre Schwechat die dortige Flüchtlingsarbeit leitet und ebenso Initiator für die „Romaria“ war. „Von der 4jährigen Angie bis zur bald 80jährigen Maria, Vertreter/innen aus Pfarren, NGOs, Ordensgemeinschaften, Asylwerbende selbst und auch sonst sich hier Engagierenden waren dabei: Es war ein vielfältiges und harmonisches Miteinander am Weg! Besonders berührend waren auch das Gebet für auf der Flucht ums Leben gekommene Menschen und der daran anschließende Schweigemarsch über die letzten Kilometer – es zeigt sich, wie solidarisch hier für uns Christen Wesentliches mitgetragen wird.“

Anlass für diese Wallfahrt waren zwei Gründe: Einerseits der Tag des Flüchtlings am 20. Juni: An diesem Tag wird weltweit der Not von Million von Menschen gedacht – lt. UNHCR sind zur Zeit weltweit 43,3 Millionen Menschen auf der Flucht vor Krieg, Vertreibung, Hunger und anderen existenziellen Bedrohungen. „Gleichzeitig herrscht gegenüber diesen Menschen eine immer größere Gleichgültigkeit, ja bis hin zu gesteigerter Feindlichkeit. Und in der EU wird unser Wohlstand wie in einer Festung mit allen Mitteln verteidigt.“ – so Vychytil.

Der zweite Grund ist der biblischer Auftrag. Im Matthäusevangelium heißt es: „Ich war fremd und obdachlos und ihr habt mich aufgenommen“ (Mt 25,36). Viele kirchliche Einrichtungen, Pfarren und Klöster haben in den letzten Jahren Flüchtlingen Herberge geboten und sie in ihrer schwierigen Situation auf der Suche nach einer neuen Heimat unterstützt.

In Verbundenheit mit vielen engagierten Personen, die an diesem Wochenende der Not der Flüchtlinge in Österreich aber auch weltweit gedenken, wurden für die Initiative Lichterkette (www.lichterkette.cc) Solidaritäts-Unterschriften auf Transparenten gesammelt, die am folgenden Tag sichtbar vor dem Innenministerum auf Minioritenkirche aufgehängt wurden.

Mit dieser starken Aktion zeigten Christen und Christinnen, dass sie gemäß dem biblischen Auftrag zu leben versuchen, Menschen in großer Not in Solidarität begegnen und im Vertrauen auf einen solidarischen Gott, der auf der Seite der Leidenden ist, sich engagieren wollen.