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Anhang: Erfahrungen mit den Familiengruppen

Die Familiengruppen gehören zu den bekanntesten Gemeinschaften der Pfarre. Es sind Kleingruppen von je ca 6 Ehepaaren, die sich monatlich reihum bei einer der Mitgliedsfamilien treffen. Naturgemäß sind es meist junge Ehepaare mit kleinen Kindern, die bei so einer Gruppe mitmachen wollen, weil sie daran interessiert sind, ihre Probleme und Fragen mit andern zu besprechen, die ähnliche Erfahrungen haben.

Das geschieht bei den monatlichen Zusammenkünften. Diese finden in der Regel am Abend statt, nachdem die Kinder zu Bett gebracht sind. (Babysitter kann man in der Pfarre anfordern.) Den Beginn der Zusammenkunft bildet ein schlichtes Essen (Brote und Tee und dgl). Dann sollte ein kurzer Wortgottesdienst folgen, also Besinnung, Schriftlesung, Gebet...
Dieser Gebetsteil wird, ebenso wie die darauffolgende Diskussion, vom gastgebenden Ehepaar vorbereitet und geleitet.

Das Thema, das diskutiert wird, sollte immer schon beim vorhergehenden Treffen festgelegt werden, so dass alle schon vorher ein bisschen drüber nachdenken können. Als Thema kann alles genommen werden, was interessiert, also alle mit Partnerschaft, Ehe, Familie, Kindererziehung, Schule usw zusammenhängenden Fragen, Glaubensfragen, Probleme des pfarrlichen Lebens und alles, was uns so bewegt in Kirche und Gesellschaft. Dann folgt ein gemütlicher Ausklang bei Wein, Soletti und dgl, der sich oft bis nach Mitternacht hinzieht.

Günstig ist es, wenn die Mitglieder so einer Gruppe altersmäßig ungefähr zusammenpassen und womöglich auch die Kinder in etwa gleichem Alter sind. Freilich, einige unserer Familiengruppen bestehen jetzt schon über 30 Jahre, und die am Anfang jungen Ehepaare sind längst schon Großeltern geworden. Aber dass sie immer noch zusammenkommen zeigt, dass aus ihnen echte Freundeskreise gworden sind, die über die monatliche Zusammenkunft hinaus sehr vieles miteinander tun, angefangen von gegenseitiger Hilfe bis zu gemeinsamem Urlaub usw.

Das Unterscheidende zu anderen Freundeskreisen aber ist, dass diese Gruppen "Kirche im Kleinen" sind, dass also nicht nur die Mitglieder der Gruppe selbst, sondern auch andere etwas davon haben, dass es sie gibt, sei es durch das Engagement Einzelner in der Pfarrgemeinde, sei es durch Initiativen, die von der Gruppe ausgehen, z.B. zu Aktionen für die 3.Welt oder andere soziale Aktivitäten.

Sollten Sie Interesse haben, unsere Familiengruppen näher kennenzulernen, sind Sie herzlich eingeladen, einmal ganz unverbindlich bei einem Gruppentreffen teilzunehmen. Nähere Auskünfte bei Pfarrangehörigen oder im Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst .




ANHANG:

Quellenangabe für den Artikel:
H. Blasche, aus: Der Seelsorger. (Zweimonatsschrift für Praxis unt Theorie des kirchlichen Dienstes)
4, Juli 1965; Seite270

Erfahrungen mit Familiengruppen

In meiner Kaplanszeit oblag mir, wie den meisten Kaplänen, die Kinder- und Jugendarbeit in der Pfarre. Da war es recht deprimierend zu sehen, dass viele Jugendliche, um die man sich jahrelang bemüht hatte, immer seltener kamen und schließlich ganz wegblieben. Und das waren oft solche, die Jahre hindurch begeistert mittaten, zu den Sakramenten gingen und in Jungschar und Jugend aktiv waren. Der "Erfolg" der Jugendarbeit wurde einem bewusst, wenn man sich die "praktizierenden" Erwachsenen anschaute, so die Jahrgänge zwischen 20 und 4o. Dann erkannte man nämlich, dass es sich bei den Praktizierenden durchwegs um Leute handelte, die ein religiöses Elternhaus gehabt hatten bzw. bei denen wenigstens ein Elternteil praktizierend gewesen war.

Bei uns in der Pfarre hat jeder Jahrgang durchschnittlich 50 katholische Kinder. Mindestens 95% gehen zur Erstkommunion. Rund 60% besuchen die Seelsorgestunden während der Volksschulzeit; im Hauptschulalter sind es noch bis Schulaustritt im Durchschnitt 20%. In den Gruppen der katholischen Jugend sind es dann pro Jahrgang im Durchschnitt noch 5%, die richtig mittun, weitere 5 bis 10%, mit denen noch einigermaßen Kontakt gehalten wird. Sobald sie aber den Reihen der Jugend entwachsen sind, bleiben von all diesen Tausenden jahrelang so intensiv betreuten Burschen und Mädchen nur jene der Kirche verbunden, bei denen, wie gesagt, das Elternhaus bzw. ein Elternteil in ihrer Kindheit den Grund dafür gelegt hat. Ausnahmen bestätigen die Regel, und bei Mädchen sind die Ausnahmen häufiger.

Diese Art Seelsorge konnte nicht ganz richtig sein. Wenn das Elternhaus und die erste Lebenszeit des Kindes so entscheidend ist, dann ist es verkehrt, wenn der Priester seine ganze Sorge den Schulkindern zuwendet, bei denen sowieso kaum etwas zu machen ist, statt sich um die Eltern zu kümmern. Die religiöse Erziehung der Kinder ist zweifellos nicht Sache des Priesters, sondern der Eltern. Sache des Priesters ist es, die Eltern zu bekehren, dass sie ihre Aufgabe den Kindern gegenüber erfüllen können.

Das waren so meine Gedanken in der Kaplanszeit. Ich wusste aber noch nicht recht, wie ich sie verwirklichen konnte. Mit Hausbesuchen allein war es ganz bestimmt nicht zu erreichen. Um wirklich aus dem Glauben zu leben braucht der Einzelne ja die Gemeinschaft, die ihn hält und trägt. (Es findet eben niemand ohne die Kirche das Heil;) Kirche (aber) ist sichtbare Gemeinschaft; Gemeinschaft wieder ist eine kleine Gruppe von Menschen, die einander kennen, helfen, zueinander gut sind, miteinander teilen, füreinander leben.

Immer mehr wurde mir klar, dass priesterliches Wirken, wenn es sinnvoll und nicht nur vorübergehend erfolgreich sein soll, darin bestehen muss, "Kirche" zu bilden, d. h. echte Gemeinschaften in Christus zu begründen, die ausstrahlen, deren Glieder wirklich als Kirche leben. Viele solche Gemeinschaften, die nicht exklusiv sind, sich nicht von den anderen abschließen, sondern auf die anderen hingerichtet, offen, dienend sind, viele solcher Gruppen werden mit der Zeit das Gesicht der Pfarre verändern.

Diese Gedanken beschäftigten mich lange. Da erfuhr ich aus dem "Großen Entschluss" über Erfahrungen, die man in Frankreich mit Familiengruppen gemacht hat. Dann entdeckte ich eines Tages das von Norbert Greinacher herausgegebene Buch über "Familiengruppen". Wir entschlossen uns, die darin geschilderte äußere Form der französischen "Gruppen Unserer Lieben Frau" zu übernehmen.

Als ich bald darauf Pfarrer geworden war, konnte ich die Jugendarbeit den Kaplänen übergeben und war nun ganz frei für die Arbeit mit den Erwachsenen. Sofort fingen wir mit der "Eherunde" an, und zwar mit fünf Ehepaaren. Die erste Zusammensetzung war nicht sehr glücklich. Es waren zu große Altersunterschiede. Bald spalteten sich zwei Ehepaare ab und wurden der Kern einer zweiten, jüngeren Gruppe. So gab es fast in jeder Gruppe anfänglich mehrere Veränderungen, bis die Zusammensetzung gelungen war, bis wirklich eine "Gruppe", eine Gemeinschaft da war.

Nur dort, wo die einzelnen Paare schon vor ihrer Zusammenfassung eine gewisse Gemeinschaft untereinander hatten, hielt die Zusammensetzung von Anfang an. Das ist bei unserer jüngsten Gruppe der Fall, von deren fünf Ehepaaren jeweils mindestens ein Partner aus den Reihen der Pfarrjugend kam, und bei einer anderen Gruppe, deren Familien alle in demselben Wohnblock wohnen und die einander schon vorher kannten.

 

Zusammensetzung der Gruppen

Bei der Zusammenstellung der Ehepaare achten wir nur darauf, dass altersmäßig nicht zu große Unterschiede bestehen. Unterschiede nach Bildung, Einkommen, Stand und dergleichen lassen wir unbeachtet. Für die Familiengruppen nehmen wir nur Ehepaare, denen es wirklich um ein christliches Ehe- und Familienleben geht und die die Gemeinschaft der Gruppe bejahen, weil sie in ihr eine Hilfe sehen, dieses Ziel zu erreichen. Wir nehmen also in der Regel keine Fernstehenden dazu, höchstens einzelne, wenn der Ehepartner religiös ist, und wenn der religiös indifferente Teil wenigstens die anderen Ziele der Gruppe, vor allem die Gemeinschaft, restlos bejaht. Doch kann eine Gruppe höchstens ein bis zwei Indifferente verkraften (freilich hängt das auch davon ab, auf welcher Seite die stärkeren formenden Kräfte liegen). So haben wir z. B. in einer Gruppe auch einen aktiven Kommunisten, der aber einer der besten und wertvollsten Mitarbeiter ist und dem wir schon viele positive Anregungen verdanken.

 

Anforderungen an die Mitglieder der Familiengruppen

Die regelmäßige Teilnahme an der monatlichen Zusammenkunft, die abwechselnd bei den einzelnen Familien der Gruppe stattfindet.

Die Vorbereitung des Themas durch alle (Stichwortbehelf zur Diskussion).

Die Vorbereitung des Gebetes und die Leitung der Diskussion durch das Gastgeberehepaar.

Vor allem aber: Die Bereitschaft, alles zu tun, wodurch aus den zur Gruppe gehörenden Familien wirklich eine Gemeinschaft wird. Also ein "offenes Haus" zu führen, intensive Gastfreundschaft, ständiges Kontakthalten, die Teilnahme an gemeinsamen Aktionen, wie Ausflüge, Theater- und Ballbesuche, Kinderjausen, Familienexerzitien und Familienwochen, die Bereitschaft, einander jegliche mögliche Hilfe (geistig, materiell und durch praktisches "Handanlegen") zu leisten. Und das ist, obwohl doch alles erst im Aufbruch ist, bereits in einem Ausmaß verwirklicht worden, wie man es nicht erwartet hätte.

 

Wie schaut eine monatliche Zusammenkunft aus?

Wir beginnen mit einem schlichten Mahl, bestehend aus Butter- und Schmalzbroten, Tee oder Milch (kein Alkohol). Die Bestimmung, dass nur Brote mit irgendeinem Aufstrich (aber keine belegten Brötchen) serviert werden dürfen, hat sich sehr bewährt. Erstens hat die Hausfrau damit am wenigsten Arbeit und nicht viel Geschirr, sie braucht sich nicht den Kopf zu zerbrechen, was sie kochen soll; es entsteht kein unguter Wettbewerb und niemand kommt in Verlegenheit, weil er nicht so Gutes und Teures bieten kann wie andere. Die Dauer dieses Mahles, bei dem man sich ausplaudert, ist ungefähr 45 Minuten. Dann wird der Tisch abgeräumt und es beginnt der Gebetsteil.

Das Gebet wird vom gastgebenden Ehepaar vorbereitet und geleitet. Es soll nach Möglichkeit auf das Thema des Abends abgestimmt sein. Manche nehmen sich große Mühe, stellen Texte und Betrachtungen zusammen und machen Kopien für alle. Andere (die meisten) nehmen eine Andacht aus dem Diözesangebetbuch oder suchen aus diesem verschiedene Texte und Lieder heraus, die zum Thema des Abends oder zur Zeit des Kirchenjahres passen. Jedenfalls soll das Gebet zirka eine Viertelstunde dauern und womöglich soll eine kurze Schriftlesung und stille Meditation dabei sein.

Anschließend wird das Thema diskutiert. Es wird immer bei der vorhergehenden Zusammenkunft festgelegt und soll von allen Paaren wenigstens stichwortmäßig vorbereitet sein. (Wir sind aber davon abgekommen, von den Ehepaaren zu verlangen, dass sie das Thema schriftlich ausarbeiten und eine Woche vorher bei der Gastgeberfamilie abgeben (wie es ähnlich bei den Equipes Notre Dame der Fall ist). Denn damit schließt man von vornherein viele von den Familiengruppen aus, die vielleicht mitmachen würden und Wertvolles beitragen könnten. Nicht jeder kann seine vielleicht guten Gedanken auch schriftlich formulieren, und sehr viele hätten große Hemmungen, ihr Elaborat einem anderen Ehepaar zur Begutachtung vorzulegen.)

Als Thema kann praktisch alles genommen werden, was interessiert und den Zielen der Familiengruppe dient. Also alle mit Ehe, Familie, Kindererziehung, Gemeinschaft zusammenhängenden Fragen, Themen, die die persönliche Glaubensvertiefung, unser Leben als Kirche und unseren Dienst an der Welt zum Inhalt haben und dergleichen.

Ein paar Beispiele für durchgenommene Themen:

  • Ehe als Lebens- und Schicksalsgemeinschaft
  • Sinn und Erfüllung der Ehe
  • Gefahren für die Ehe
  • Ehe als Sakrament
  • Verantwortete Elternschaft
  • Geld und Eigentumsverhältnisse in der Ehe
  • Kirchliche Feste und Zeiten in der Familie
  • Was erwarten wir von der Familiengruppe?
  • Wie hat Christus sich die Messe vorgestellt?
  • Liturgiereform
  • Lohn und Strafe in der Erziehung
  • Gutnachbarliche Beziehungen
  • Unsere Hobbies
  • Verhältnis zu Schwiegereltern und anderen Miterziehern
  • Wie verwirklichen wir die Bergpredigt in der Familie, in der Gruppe, in der Pfarre? (Mehrere Abende)
  • Was ist Buße? Sakrament der Buße
  • Das Beten in der Familie
  • Gebetserziehung der Kinder

Das Thema wird vom Gastgeber eingeleitet. Die Diskussion zieht sich oft sehr lange hin und wird dann entweder vom Gastgeber oder vom Priester zusammengefasst und abgeschlossen. Aber dann sitzen wir noch gemütlich beisammen, oft bis nach Mitternacht, trinken ein Glas Wein, diskutieren, kritisieren, planen...

Sehr oft können wir Gäste bei unseren Zusammenkünften begrüßen, die dann ganz selbstverständlich in die Gemeinschaft hinein genommen werden. Auch der evangelische Pfarrer von Schwechat und seine Frau waren schon einige Male dabei.

Sichtbar wird, dass die Gruppe "Kirche" ist, wenn wir um den Tisch im Speisezimmer einer Familie die Messe feiern. Dieses Erlebnis der Messe in ihrer Grundgestalt des Mahles, bei dem verdichtet spürbar wird, was bei jeder Zusammenkunft zum Gebet bewußt wird: die Gegenwart des Herrn mitten unter den Seinen, das trägt wohl besonders zur Vertiefung der Geschwisterlichkeit bei.

Vier Kinder aus den Gruppen feierten bei so einer "Hausmesse" an dem Tisch, an dem sie ihre täglichen Mahlzeiten nehmen, ihre Erstkommunion. Messe und Leben sind nicht mehr getrennt.

Messe: das ist Heiligung des Alltags , die Familie, die Freunde, Tisch und Brot und Wein...

 

Helmut Blasche


 
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