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Vortrag „Äthiopien: Kirche & Land“ PDF Drucken

02 „Das Leben der Menschen in Äthiopien ist zutiefst mit unserem Glauben verwoben!“, meinte der Äthiopisch-Orthodoxe Bischof Daniel Yilma, Bischof für Nord-, Ost und Westafrika, der anlässlich des Orthodoxen Festes Filseta Le Mariam nach Schwechat gekommen und dort in einem viel beachteten Gottesdienst u. a. mit dem Wiener Erzbischof, Kardinal Christoph Schönborn zusammen getroffen war.  

(Weitere Infos über das Felseta Le Mariam-Fest und das „Gipfeltreffen der Äthiopisch-Orthodoxe Kirche“ )

In einem breiten Querschnitt durch Kirche und Leben Äthiopiens erzählte Bischof Daniel von alltäglichen Gebräuchen, Geschichte und Gegenwart seiner Kirche. Auch brisante Themen blieben in der anschließenden Diskussion nicht ausgespart: Die Haltung der dortigen Kirche zur Beschneidung („Das ist eine kulturelle Frage: Die Beschneidung von Männern ist in unserer Kultur sehr weit verbreitet – unabhängig von der Religion. Die Beschneidung von Frauen lehnt unsere Kirche aber strikt ab!“) oder das soziale Tun („Das ist in unserer Kirche noch unterentwickelt – da haben wir noch viel aufzuholen!“) u. v. a. m. Als Übersetzer aus der Äthiopischen Landessprache fungierte Fantahun Muche Assefa, der seit 4 Jahren die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche in Wien betreut – im Rahmen eines großen Stipendienprojektes der Erzdiözese Wien studiert er hier Theologie (als post-graduate-Studium) und lebt & wohnt seit nunmehr schon über einem Jahr in der Pfarre Schwechat.

Äthiopien gilt wirtschaftlich als eines der ärmsten Länder der Welt. Viele kennen nur die Schreckensbilder von Krieg, Hunger, Dürre und Armut, die um die Welt gehen. Was dabei untergeht ist das andere „Äthiopien“ – das Äthiopien der reichen Kultur und Geschichte, in welchem die christliche Religion eine zentrale Rolle spielt. Gerade in die so reiche und bunte Kultur & Geschichte dieses Landes konnten die Zuhörenden einen guten Einblick gewinnen.

Durch seine christlichen Traditionen und die historische Isolation unterscheidet sich Äthiopien von den anderen Staaten Schwarzafrikas. Sie hat auch heute noch viele urchristliche und jüdische Gebräuche erhalten, die wir heute in Europa nicht mehr kennen, wie z.B. die mosaischen Speisegebote und die Verehrung der Bundeslade (Tabot). Die äthiopisch-orthodoxe Kirche ist bis heute eine der größten orientalisch-orthodoxen Kirchen der Welt.

Es war höchst interessant nochmals das ‚Innenleben’ von Kirche und Land Äthiopiens sozusagen aus Erster Hand zu erfahren!“, meint Pfarrer Gerald Gump im Anschluss an den Vortrag begeistert. „Die tiefe Verbindung zwischen unseren Kirchen, die in den letzten Jahren gewachsen ist, hat wieder ein kräftiges Stück Nahrung bekommen! Ich freue mich schon auf unseren Besuch!“ – denn im November wird eine Gruppe der Pfarre Schwechat eine Pilgerreise nach Äthiopien unternehmen um dort – vom in Schwechat tätigen Priester Fantahun begleitet – in das Kirchliche Geschehen kräftig einzutauchen.

Bischof Daniel, der in der Zeit seines Österreich-Besuches in der Pfarre Schwechat zu Gast ist, dankte nochmals explizit für die liebe Aufnahme: für ihn während dieser Tage, vor allem aber für seine Kirche, die seit 4 Jahren für ihren Gottesdienstort in Österreich in der Filialkirche Kleinschwechat eine neue Heimat gefunden hat (siehe ebenso http://www.pfarre-schwechat.at/Aktuelles/08-28-2006/08-28-2006.htm )

Zum Referenten:
Geboren 1940, hat in Äthiopien und den USA studiert und war in Äthiopien und Kenia tätig. Vor seiner Bischofsweihe war er Leiter des St. Paul Seminary und des Sunday School Departments des Äthiopisch-orthodoxen Patriarchats, Bischof von Ostafrika mit Sitz in Djibuti.

Fotos: Martina Stadlbauer

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