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Äthiopisch-Orthodoxer Priester Fantahun Muche Assefa, der seit mehreren Jahren in der Pfarre Schwechat lebt & in Wien Theologie studiert, wurde überraschend zum Diözesanadministrator der Erzdiözese Addis Abeba berufen.

Schwechat – 21. 7. 2009. Völlig überraschend wurde Fantahun Muche Assefa, der seit einigen Jahren in der Pfarre Schwechat lebt und von dort aus neben seinem Doktorratsstudium die Äthiopisch-Orthodoxe Gemeinde in Kleinschwechat betreut, zurück nach Äthiopien berufen. Der Erzbischof-Sitz von Addis Abeba wurde ungeplant vakant – auf Vorschlag des Äthiopisch-Orthodoxen Patriarchen Abune Paulos hat der Heilige Synod am vergangenen Freitag Fantahun einstimmig zum Generalvikar und zugleich interministischen Leiter der Erzdiözese Addis Abeba berufen, der größten und bedeutendsten Diözese der Äthiopisch-Orthodoxen Christenheit.

„Es ist eine große Ehre für mich“, erzählt Abba Fantahun, „wenn mir diese große Verantwortung auch ziemlich Bauchweh macht.“ Der 38jährige, verheirateter & verwitweter Priester und Vater einer 8jährigen Tochter, ist damit der erste Nicht-Mönch in diesem Amt, da in alter, orthodoxer Tradition nur Mönche Bischöfe werden können.

Große Herausforderungen erwarten Muche Assefa, zumal die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche intensiv mit internen Konflikten beschäftigt ist, die sich u. a. um das Bischofsamt von Addis Abeba ringen. Fantahun hat vor wenigen Wochen seine Dissertation in Katholischer Theologie an der Universität Wien fertig gestellt – für Herbst ist Verteidigung der Arbeit samt Sponsion geplant, Termine für die er nach Österreich anzureisen plant. Stornieren musste er allerdings Vortrags- & Gottesdienstreisen nach London, Rom und in die USA.

„Wenn mich auch diese Entscheidung für meinen Bruder Fantahun sehr freut, tut uns doch allen die so schnelle Abreise weh!“, erzählt Gerald Gump, der Pfarrer der röm.-kath. Pfarre von Schwechat, wo Fantahun nun schon seit Jahren nicht nur mitlebt, sondern auch stark integriert ist. Seit 7 Jahren ist die Äthiopische Kirche Österreichs mit ihren Gottesdiensten in der „Kleinschwechater Kirche“ angesiedelt ist, einer am Sonntag vormittags nicht benötigten Filialkirche der Pfarre Schwechat. Und: „Sie sind hier mittlerweile einfach ganz selbstverständlich zu Hause“, wie Dechant Gump freudig erzählt. Dies ist die einzig fixe Niederlassung der Äthiopischen Orthodoxie in Österreich.

„Erst vergangene Woche ging bei uns ein großes, Äthiopisches Jugendtreffen zu Ende, wo 50 Studierende & Universitätslehrende Äthiopischer Herkunft aus über 10 Europäischen Ländern anreisten, um die Herausforderungen unserer Zeit an die Äthiopische Kirche & Gesellschaft in einem Symposion zu besprechen – es war toll, wie hier auf Initiative Fantahuns kreativ für die Zukunft gearbeitet wurde! Aber auch schon bei meiner Reise mit ihm durch Äthiopien war spürbar, welche große Achtung und Stellung er trotz seiner jungen Jahre dort genießt – überall war er bekannt und wurde sofort zu Predigt oder Begegnung eingeladen!“

Der Anruf an Fantahun kam vergangenen Samstag während einer Reise zum Kinderlager der Pfarre Schwechat samt anschließender Kulturreise mit Pfarrer Gump durch Westösterreich. „Mittlerweile ruft der Patriarch persönlich jeden Tag manchmal sogar mehrmals an und fragt, wo er denn bleibe!“ erzählt der Schwechater Pfarrer. „Ich freue mich auf meine Rückkehr nach Schwechat!“ gibt Fantahun noch am Flughafen am 21. 7. 2009 Grüße an die röm.-kath. Pfarre mit: „Dann kann ich mich in Ruhe von ‚unserer’ Gemeinde in Schwechat verabschieden!“

Die Äthiopisch-Orthodoxe Kirche wird in Österreich durch die Erzdiözese Wien gefördert. Via Arbeitsgemeinschaft Afro-Asiatische Gemeinden (ARGE AAG) wird das Miteinander der fremdsprachigen, christlichen Gemeinden Wiens koordiniert. Indem sie u. a. via Ausbildungsstipendien aus Kirchenbeitragsmitteln die Finanzierung von Priestern (so auch der beiden äthiopischen Priester Abba Birhanu Kassahun und Fantahun Muche Assefa) aus dem Süden für je ein post-graduate-Studium übernimmt, ist sie damit der größte, private Stipendiengeber Österreichs: Lebendige Entwicklungshilfe.

Weiterführende Artikel:
Internationales Treffen der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche in Schwechat: 9. – 13. Juli 2009
Ökumenisches Treffen der Pfarrgemeinden in Schwechat: Äthiopisch – Evangelisch – Röm.-Katholisch – 25. 1. 2009
Kirchliches Gipfeltreffen in Schwechat

Auf Wiedersehen, Fantahun

Vortrag von Bischof Daniel: Äthiopien: Kirche & Land

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