Dechant Gump: Mit intensiver Zusammenarbeit sind unserer Pfarrgemeinden zukunftsfähig – statt geistloser Pfarrzusammenlegung produktive Ergänzung!
Es war der Blick auf eine erfolgreiche Zeit, als am Freitag, 2. Dezember 2011 das 2jährige „Pilotprojekt Seelsorgeraum Schwechat“ seinen Abschluss fand – eingebunden waren die Evangelische Pfarrgemeinde Schwechat, sowie die röm.-kath. Pfarrgemeinden Mannswörth, Rannersdorf, Schwechat und Zwölfaxing. Durch intensives Zusammenwirken sollte basierend auf starken Pfarrgemeinden die Qualität pastoralen Wirkens erhöht, sowie ressourcensparend gearbeitet werden. „Während in manchen z. B. deutschen Diözesen Pfarren in einer regelrecht zerstörerischen Art fusioniert und zu Großpfarren zu Tode administriert werden, gehen wir im Südteil unserer Diözese Wien einen deutlich menschen-gemäßeren Weg“, erzählt der Leiter des Seelsorgeraumes, der Schwechater Pfarrer & Dechant Gerald Gump. „Wir lösen keine gesund gewachsenen und den Menschen nahen Pfarren am grünen Tisch auf, sondern schauen, wo in sinnvollen Verbünden der heutigen Zeit gemäß mit oft eingeschränkten Mitteln & Möglichkeiten ‚Kirche‘ jesustreu gelebt werden kann. Und es ist Gebot der Stunde, dies nicht mehr konfessionsvereinseitigt, sondern in offener, ökumenischer Verbundenheit gemeinsam anzugehen!“
Schon vor etwa 9 Jahren haben sich fast alle Pfarren im „Südvikariat“ der Diözese Wien selbst anhand gewachsener Zusammenhänge (Einkaufsrichtung, Schulbezirk, politische Gemeinden, …) in Seelsorgeräume zusammen geschlossen. Länger hatte dies aber kaum wirkliche Auswirkungen. Mit 3 Pilotprojekten ging die Initiative 2009 in eine neue Phase: In 2jährigem Pilotprojekt sollte intensiv daran gearbeitet, von außen begleitet und letztlich evaluiert werden, wie eine solche Zusammenarbeit in wirklicher Umsetzung laufen kann.
Wichtig war den beteiligten Pfarren von Beginn an, dass primäres Subjekt des pastoralen Tuns die jeweilige Pfarrgemeinden (oder sogar Lokalgemeinde) bleiben. SSR-Strukturen sind subsidiär, supplierend und nur für jene Bereiche zuständig, wo diese Ebene „besser“ als die rein pfarrliche ist. Dies aus der ekklesiologischen, wie pastoralen Grundoption heraus, dass Kirche im Sinne Jesu konkret an den Menschen „dran“ sein muss und sich nicht in „Großbereiche“ ohne (oder mit drastisch verminderten) persönlichen Bezug auflösen kann – ja die konkret gelebte, überschaubare Gemeinde eine existentielle Voraussetzung für sakramentales Leben, wie auch Kirche als gelebtes Sakrament ist. Der SSR dürfe (zumindest mittelfristig) nicht einen „Mehraufwand“ für Pfarren und Einzelpersonen erfordern – wenn, dann im Gegenteil. Ziele sind die Optimierung pastoraler Arbeit, sowie Entlastung der Verantwortlichen. Auf diese Weise wurden neben Arbeitsgrundlagen wie SSR-Homepage, einem gemeinsamen Begrüßungs-Folder für Zugezogene oder praktische-technischer Zusammenarbeit u. a. verschiedene Bildungsveranstaltungen, der große, ökumenische Stadtkreuzweg oder „Abende der Barmherzigkeit“ durchgeführt. Verschiedene, weiterführende Neu-Ideen werden gerade gewälzt!
„Besonders in 2 Ansatzpunkten waren diese Aktivitäten von Erfolg gekrönt“, erzählt Pfarrer Gump: „Manche Aktivitäten, wie z. B. unser Stadtkreuzweg, Bildungsvorgänge oder manche Angebote von ‚Spezialgottesdiensten‘ sind im Verbund mehrerer Pfarren einfach deutlich qualitätsvoller & besser aufgestellt. Als nächster Schritt soll ein gemeinsames, großes Christi-Himmelfahrts-Fest gefeiert werden – mit mehr Schwung und Geist, als es bisher in unseren Einzelpfarren an diesem eher unbeachteten Tag läuft! Der zweite Ansatzpunkt ist, dass einzelne Aktivitäten in manchen Pfarren derart gut und von Bedeutung & Zulauf pfarrübergreifend laufen, sodass sich andere Pfarren die gleiche Tätigkeit gut sparen können. Alles zielt eben darauf, dass das Kirchliche Leben in Alltag, Caritas oder Gottesdienst den Menschen am Ort nahe bleibt und statt einer Transformierung in unpersönliche und dadurch unchristliche Großbereiche hinein starke Pfarren in dieser Form ihrem Auftrag besser und mehr ressourcenorientiert nachkommen können.“
Am Fr, 2. 12. wurde die 2jährige Pilotphase mit einem Treffen der Steuerungsgruppe abgeschlossen. Bischofsvikar Dr. Rupert Stadler, der für das Südvikariat beauftragte Vertreter des Bischofs von Wien, nahm den Schlussbericht entgegen und dankte allen Beteiligten für ihren oft höchst intensiven Einsatz. „Als ein Resümee konnte ich hier deutlich sehen, dass die anfänglichen Befürchtungen einzelner Pfarren, es käme zu Vereinnahmung oder Zusammenlegung, ganz einfach unbegründet waren“, sagte BiVi Stadler in einer ersten Stellungnahme. „Seelsorgeräume werden in unserem Vikariat einen wertvollen Beitrag der kooperativen Seelsorge der Zukunft leisten. Persönlich werde ich die hier gemachten, positiven Erfahrungen in den Entwicklungsprozess unserer Diözese einbringen – ist doch geplant, dass die Einteilung unserer Süd-Pfarren in Seelsorgeräume durch Kardinal Schönborn mit September 2012 verbindlich gemacht wird. Für die dazu nötigen Vorarbeiten werden die hier gemachten Erfahrungen einen wertvollen Dienst leisten!“ Der genannte Erneuerungsprozess der Erzdiözese Wien kommt gerade in seine „heiße Phase“ – bis Pfingsten 2012 sollen die Grundlinien zukünftiger Arbeit & Strukturen konkretisiert werden.
Die Pilotphase 2009-2011 geht für den Seelsorgeraum Schwechat damit zwar zu Ende – doch war es für die aus Vertreter/inn/en der 5 Pfarren bestehende Steuerungsgruppe ganz selbstverständlich, dass das Zusammenarbeiten danach genau so, wenn nicht sogar noch stärker weitergehen wird – „Vielleicht der beste Beweis, dass wir als Vikariat hier am richtigen Weg sind!“, wie BiVi Stadler kommentierte.
„Grundlinien unseres Seelsorgeraumes“ (Beschlossen in der SSR-Steuerungsgruppe 20.10.2010)
Der Seelsorgeraum „Evang. Pfarre Schwechat & röm.-kath. Pfarren Mannswörth & Rannersdorf & Schwechat & Zwölfaxing“ hat das Ziel, in intensiverer Zusammenarbeit eine Qualitätssteigerung des pastoralen & strukturellen Lebens, sowie eine gegenseitige Entlastung zu ermöglichen.
Grundlage dafür sind selbständige & starke Gemeindenam Ort, wo sich primär das kirchliche Leben ereignet – weder sind die Gemeinden zugunsten einer größeren Einheit aufgebbar, noch die Seelsorger/innen einfach auswechsel- oder tauschbar. Weitere Initiativen stehen diesen Grundlinien nach.
Als sekundäre Struktur kann die Ebene Seelsorgeraum manches auf folgenden Linien vereinfachen:
*) Es gibt Bereiche, die eine Pfarre so gut macht / erledigt / erfüllt, dass sich eine (oder mehrere) der anderen Pfarren sich den gleichen Bereich „erspart“, selbst abzudecken (z. B.: Adventmarkt in Mannswörth, Rannersdorfoniker in Rannersdorf, Eheseminare in Schwechat, ständiger Flohmarkt in Zwölfaxing, Musikdarbietungen in der Evang. Pfarre)
*) Manche Projekte / Vorgänge etc. sind qualitätsvoller & einfacher, wenn sie von mehreren Pfarren gemeinsam durchgeführt werden (z. B.: Schwechater, Ökumenischer Stadtkreuzweg, Firmvorbereitung von 2 Pfarren teilweise gemeinsam)
All dies wird manchmal bilateral geschehen, manchmal durch mehrere oder alle Pfarrgemeinden des SSR – hier gilt als Leitlinie, was den Menschen, den Engagierten und der Sache dienlich ist, keine ideologische Vorgabe.
Um dafür zu sorgen, dass die Struktur des SSRs nach mehreren Jahren der Vorüberlegung wirklich greift, gibt es für diesen Zweck in der Pilotphase (Dezember 2009 – November 2011) ein Steuerungsteam (2 Personen / Pfarre, begleitet durch 2 Personen des Gemeindeberatungsteams), welches Möglichkeiten andenkt und erarbeitet, Initiativen setzt oder fördert, Ideen ersinnt und in Umsetzung bringt. Gemeinsam mit diesem Team ist der Seelsorgraum-Leiter dafür Koordinator.
Fotos: Elisabeth Fürst / Vikariat Süd der Erzdiözese Wien
für einmaligem Abdruck in obigem Zusammenhang kostenfrei zur Verfügung gestellt
101: Ein Teil der aus allen Pfarren besetzten „Steuerungsgruppe“ beim Abschlusstreffen.
111: In regelmäßige Treffen der „Steuerungsgruppe“ lief ein Großteil der Koordinationsarbeit.