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Cilli-News – unsere aktuellen Termine für Kinder


Neuentwicklungen im „Schwechat-Haus“ / Bukarest für ehem. Straßenkinder PDF Drucken

Bericht von der Projektreise 20. – 24. November 2009

„Neue Probleme entstehen gerade für ‚unsere Kinder’ im Schwechat-Haus“, erzählt Maria Fohringer aus der Pfarre Schwechat unmittelbar nach Rückkehr von ihrer 5tägigen Projektreise gemeinsam mit Anni Matzinger nach Bukarest. „Seit dem EU-Beitritt Rumäniens scheint es der große Ehrgeiz manch politisch Verantwortlicher zu sein, ‚schöne’ Statistiken vorlegen zu können.“ Kinder, bei deren Eltern sich äußere Bedingungen geändert haben, werden in ihre Ursprungsfamilien rück geführt – aber leider ohne, dass die Situation überprüft, geschweige denn über einen längeren Zeitraum beobachtet wurde oder gar die Reintegration vorbereitet werden konnte. „So war’s kürzlich bei 3 Geschwistern: Ramona war z. B. – als sie noch in unserem Haus lebet – Klassenbeste; jetzt gehen alle drei gar nicht mehr zur Schule, ihr äußerer Status gleicht dem vor 4 Jahren!“

Seit 1995 betreut die Pfarre Schwechat – initiiert durch Maria Fohringer – das Straßenkinderprojekt in Bukarest „Schwechat-Haus“. Seit 2006 steht nun das jetzige Haus, die erste von 4 Stiegen, in denen zusammen derzeit 34 ehemalige Straßenkinder von Brüdern des spanischen Maristen-Ordens gut betreut ein neues zu Hause gefunden haben. Von Engagierten der Pfarre Schwechat wird monatlich die Grundversorgung finanziert – laufende Kontakte und Projektbesuche (etwa 4 x / Jahr) helfen, eine gute Begleitung sicher zu stellen.

Aber auch manch Gutes konnte Fohringer erzählen: „Traumatisierte Kinder unseres Zentrums bekommen jetzt teils Einzel- oder Gruppentherapie, gesponsert von einer Internationalen Kinderschutzorganisation. Und auch sonst läuft es gut im Haus!“

Mit vielfältigen Grüßen aus der Pfarre konnten Fohringer & Matzinger vielfältige Geschenke mitbringen – die Freude war den Kindern ins Gesicht geschrieben, zumal ja nicht Unbekannte, sondern gut vertraute Bezugspersonen zu Gast waren…

Fotos: Anni Matzinger
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Hier der ausführliche Reisebericht von Maria Fohringer:
In Rumänien erwarteten uns viele Eindrücke und Erlebnisse.
Antolin, der Direktor unseres Hauses holte uns – Anni Matzinger und mich – vom Flughafen ab. Von dort fuhren wir in die Pfarre Bucuuresti Noui. Diese Pfarre gehört zu den ärmsten Bezirken Bukarests. Pfarrer Martin hat dort seit der Revolution Unglaubliches geleistet. Er ließ in der Pfarre kochen und brachte das Essen in die Wellblechhütten, weil viele Leute kein Gas hatten. So holte er auch die schmutzige Wäsche  ab. Diese wurde in einer aus dem Westen kommenden Waschmaschine gewaschen und dann den Leuten gereinigt wieder zugestellt. Für die Roma-Kinder organisierte er eine Lernnachhilfe im Pfarrhof (so wie wir das lange in unserem Schwechater Pfarrzentrum Zirkelweg hatten). In den letzten Jahren baute er auf Pfarrhofgrund ein Jugendzentrum.
Von dort ging es in unser Zentrum, wo auch unser Schwechathaus steht. Dort wurden wir gleich zum Essen eingeladen. Uns hat beeindruckt, dass wirklich versucht wird, ein ausgewogenes, gesundes Essen  auf den Tisch zu bringen. Immer auch Obst und Gemüse.
Da wir geflogen sind konnten wir auch nicht so viel mitbringen. Süßigkeiten, für jedes Haus einen Adventskalender und für jedes Kind 2 Paar warme Socken. Obwohl es so wenig war freuten sich die Kinder sehr darüber.
Viele Kinder sind seit dem Vorjahr gewachsen uns so passen auch die Winterstiefel nicht mehr. So haben wir am Montag neue gekauft, damit niemand frieren muss. Für Weihnachten haben wir Geld hinterlassen.
Mit den Kindern durften wir uns am Dienstag über ein besonderes Ereignis freuen: Der ganze Fußballklub aus Sevilla war zu Besuch im Haus. Mit ihnen kam auch Medienrummel auf, da das von mehreren Fernsehstationen aufgenommen wurde. Die Fußballer (sie haben am Nachmittag gegen Rumänien verloren) übergaben Antolin einen Ball, auf dem sich alle Spieler unterschrieben hatten, außerdem bekam jedes Kind einen eigenen unsignierten Fußball. Die Kinder holten sich dann auch Autogramme von den Spielern. So waren diese Tage mit den Kindern sehr ereignisreich.
Besonders eindrucksvoll war unser Besuch am Bahnhof. Dort treffe ich immer noch Leute, die ich vor 15 Jahren bei meiner einjährigen Streetwork-Tätigkeit kennenlernte. Oft werde ich auch von ihnen angesprochen, weil ich sie nicht mehr erkenne. Sie sind erwachsen geworden.
Sofort nach unserer Ankunft am Bahnhof kam mir St. entgegen. Mit ihr hatte ich damals ein besonderes Erlebnis. Die meisten Mädchen wurden zwei, drei Tage nach ihrer Ankunft am Gara zur Prostitution gezwungen. So geschehen auch bei St. Eines Tages traf ich sie damals ganz aufgelöst, weil ihr ein ,,Kunde“ mit den Stiefeln ins Gesicht getreten. Buchstäblich ihre Würde mit Füßen getreten hat. Seit 15 Jahren haust sie nun schon im Kanal. Sie war einmal sehr hübsch. Jetzt ist sie gezeichnet von all diesen Überlebenskämpfen. 3 Selbstmordversuche hat sie hinter sich. Immer wurde sie von jemanden gefunden. Voriges Jahr brachte sie einen Buben zur Welt. Er lebt bei einer Pflegefamilie. Es ist sein dritter Pflegeplatz. Mit ihr war C. Sie ist 29
Sie brachte 3 Kinder zur Welt, alle drei leben in Heimen.
Am meisten erschüttert hat mich das Schicksal von G. Seine Mutter kannte ich gut. Sie war 12 als sie schwanger wurde,13 als sie das Kind zur Welt brachte. Kurze Zeit war G. in einem Heim, dann holte ihn die Mutter zu sich in den Kanal, um erkennen zu müssen, dass das doch nicht geht. Damals kam sie einmal zu uns ins Haus und ich habe das total vernachlässigte Kind gebadet. Wir haben dem Kleinen auch zu essen gegeben. Später wuchs er dann in Heimen auf. Jetzt ist er 15, lebt auf der Strasse und spritzt Heroin.
Bei diesen Begegnungen erlebe ich immer meine Grenzen.
Anni und ich besuchten noch 3 weitere Projekte. Das von Jörg, der mit Behinderten Kerzen erzeugt. Sie spürten auch die Wirtschaftskrise, da die Firmen nicht mehr so großzügig bei ihren Bestellungen waren. Jörg hat aber eine Marktlücke gefunden und verpackt nun für Firmen die verschiedensten Materialien und kann sich bzw. sein Projekt über Wasser halten.
Wir waren auch noch in Alexe Marin. Dort lebt ein jugendlicher Roma, der eine professionelle Gesangsausbildung für Operngesang erhält. Am PC haben wir die Hütte seiner Eltern und das abgemagerte Pferd gesehen - das ihr ganzer Besitz.
Mich hat besonders beeindruckt, wie sehr und mit welcher Selbstverständlichkeit  der junge Mann zu seinen Eltern steht.
Unser letzter Besuch galt den Maristen in Propasiri. Dort unterhalten sie für ca. 30 Kinder ein Tageszentrum: Die Kinder erhalten Hilfe bei den Aufgaben, Spanisch- und Computerunterricht, sowie die Möglichkeit verschiedener Freizeitaktivitäten.
Wir waren auch bei einer rumänischen Familie zu Gast. So konnten wir die Gastfreundschaft dieser mir lieb gewordenen Menschen erleben.
Ich freue mich auf meinen nächsten Besuch in Bukarest, denn “Rumänien“ ist Teil meines Lebens geworden.

 
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