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Klausur des Pfarrgemeinderates der Pfarre Schwechat: 24. – 26. September 2010 PDF Drucken

„Von der Themenlosigkeit zu 4 Zukunftslinien“

„Eine Klausur ohne Thema?“ – es war „gewöhnungsbedürftig“. Der Hintergrund war, dass bei den Vorarbeiten vor dem Sommer zwar durchaus einige interessante Ideen da waren, sich aber kein Thema wirklich als Hauptpunkt für die Jahresklausur heraus entwickelte. So entstand die Idee, genau diese Situation zum Thema zu machen – aufzugreifen und im Hinhorchen auf Gott, auf das, was er uns durch diese Situation sagen will, sensibel zu schauen, was für unsere Pfarrgemeinde nun ansteht!

„Ich gebe zu, dass ich mit ein bisschen Bauchweh in die 3 Tage gestartet bin!“, erzählt Pfarrer Gerald Gump. „Immerhin 20 Leute, die sich kostbare Zeit nehmen, um für die Pfarre gute Linien zu legen – und dann ist nicht einmal klar, wohin es gehen könnte! Aber letztlich haben wir alle geschafft, uns auf diese unsichere Sache einzulassen und es hat sich ausgezahlt. … Es passt wohl eh genau in die Situation unserer Kirche, wo wir derzeit allgemein erleben, wieviel in Bewegung kommt – und keiner kennt die Zukunft!“

Schon traditionell zog sich der 21köpfige Pfarrgemeinderat (2 Mitglieder waren entschuldigt – dafür brachte die 1jährige Elisabeth kräftig zusätzliche & wohltuende Bewegung herein) an einem Septemberwochenende zur Arbeitsklausur zurück; diesmal 22. – 24. 9. in Miesenbach.

Am ersten Abend brachte jede/r eine Bibelstelle zur Sprache – anknüpfend auf die Frage „Was ist der Biblische Auftrag an die Pfarre Schwechat im Jahr 2010“ kamen unterschiedlichste Bibelgeschichten, -Zitate oder -Gedanken zur Sprache: 20 verschiedene Zugänge!

Unter hochkompetenter Begleitung von Susanne Schuster wurde am Samstag am Persönlichen anknüpfend fortgesetzt: Was bedeutet die jetzige Situation, so hier zu sein, für mich persönlich, was für unser PGR-Team, was für die Pfarrgemeinde – vielfältige Ansatzpunkte kamen dabei zur Sprache. 2 Grundlinien zeichneten sich ab:
     1) Das Bedürfnis nach Ruhe / Atem holen / Gebet / zur eigenen Mitte & Stille kommen zu können
     2) Der „Drive“, aktiv zu werden, manche heißen Eisen der Welt, wie auch der Kirche offensiv anzugehen – eben: Hand anzulegen.

Das sensible Nachspüren nach je dahinterliegenden Stärken und Sorgen wurde durch eine vehemente Intervention unterbrochen & angeheizt, endlich „Nägel mit Köpfen“ zu machen – irritierend, aber letztlich heilsam! Und es fruchtete: Eine Vielzahl von mehrheitsfähigen Anliegen & Themen kam heraus – 4 wurden in großer Übereinstimmung als Arbeitsschwerpunkte für die nächsten Wochen & Monate fixiert:
     1) „Zukunft Sozialprojekt Zirkelweg“: An der bisherigen Finanzierung bröckelt vieles – aber besonders Inhaltlich steht einiges an: Auch, wenn manch billiger Wahlkampfslogan das Gegenteil suggeriert: Die Anzahl der Flüchtlinge geht in Österreich Jahr für Jahr (teils drastisch) zurück – Plätze div. Hilfsorganisationen werden nur mehr teilweise gebraucht. Für uns erhebt sich die Frage, wo Gott unser Soziales Engagement im Sozialprojekt Zirkelweg heute wirklich braucht – es soll kein sinnentleertes Weitermachen nur „weil’s immer schon so war“ werden.
     2) Armut in Schwechat: Sie spielt sich auf vielen eben ab: wirtschaftlich, seelisch, persönlich… - und ist in all diesen Bereichen im Steigen. Hier läuft vielfältiges Engagement der Pfarrgemeinde (allein die Aufzählung der schon längst laufenden Bereiche hat sogar einige Pfarrgemeinderäte erstaunt) – dennoch müssen wir hier immer wieder neu ausjustieren, was es neuerdings & ergänzend braucht…
     3) Hunger in der Welt: Die eklatante Ungerechtigkeit („Nord-Süd“, täglich tausende Hungertote etc.) hat uns bisher viel zu sehr kalt gelassen – wir überlegen drastische Schritte bei uns selbst… - Anmerkung: Als bei der Abschlussmesse die biblischen Texte des Sonntags gelesen wurden, konnten wir nur sagen: „Gott hat Sinn für Humor!“
     4) Grenzen der kirchlichen Möglichkeiten mehr ausreizen: Der teils große Reformstau in unserer Kirche lähmt – manchmal ist weit mehr möglich, als getan wird, manchmal braucht’s wohl heute noch ein verstärktes „Grenzgängertum“, um im Geist Gottes Kirche weiter zu entwickeln (kirchliche Erneuerung kam fast immer „von unten“ – nicht von den oberen Leitungspersonen).
Keines dieser Themen war neu – neu war allerdings der klare Konsens, dass daran zu arbeiten jetzt für uns ansteht. Konkrete Schritte dazu wurden vereinbart.

Der Abend war in einem Lokal auswärts angesagt (der geplante Spaziergang fiel im wahrsten Sinn des Wortes „ins Wasser“) – dann wurde noch gemütlich weiter gefeiert.

Am Sonntag war nach dem üblichen Morgenprogramm (Gebet, Frühstück) eine PGR-Sitzung am Programm. Darin wurden die Themen der Klausur konkretisiert, sowie laufend anstehende Punkte abgeklärt. Mitten am Arbeitsort, umgeben von Plakaten unterschiedlichster Gedanken und Impulszettel stand danach die Sonntagmesse am Programm, die so manche Gedanken & Zielsetzungen der Klausur durch Grundansatz & Bibelstellen nochmals deutlich verstärkte. Mit dem Mittagessen schloss die Pfarrgemeinderatsklausur 2010!

Also: Das neue Pfarr-Jahr hat nun auf allen Ebenen begonnen….

Fotos: Thomas Wiesinger & Daniela Wastyn

 
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