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Karfreitagsliturgie 2011 PDF Drucken

Wie immer begann nach den morgendlichen Laudes und dem Kinderkreuzweg das große Feiern mit dem Gebet rund um die Sterbestunde Christi. In schlichtester Form wurde mit einer Andacht anhand der letzten Worte Jesu und Stille des Ereignisses gedacht. Die Kirchturmuhr wurde um 15 Uhr angehalten – und bleibt so stehen: Wenn Jesus stirbt, so steht die Zeit still. Den ganzen Tag über bestand die Einladung, beim Hl. Grab zu beten. Den ganzen Tag über waren die Ratscherkinder unterwegs.

Grundidee des Abendgottesdienstes: Das Befürchtete wird Realität: Die tiefen Lebenssehnsüchte Jesu zerbrechen am Kreuz – Abgründe des Lebens tun sich auf. Die Abendliturgie wurde mit einem stillen Einzug eröffnet – Pfarrer & Assistierende warfen sich vor dem Fastentuch nieder. Die mit verteilten Rollen gelesene und mittels moderner Symbol-Dias von Sieger Köder visuell begleitete Leidensgeschichte Jesu nach Matthäus immer wieder von gemeinsamem Gesang vertieft war der erste Hauptteil. Erstmals heuer fiel nach der Gebetsstille zum Tod Jesu auch das Fastentuch herunter: „Der Vorhang im Tempel (der das Allerheiligste vom menschlichen Bereich trennte) riss von oben bis unten entzwei“ heißt es im Evangelium – durch den Tod Jesu ist die Trennung zwischen göttlichen & menschlichen Bereichen endgültig beseitigt! Anschließend wurde das Kreuz in 3 Stationen herein gebracht: „Seht das Kreuz an dem der Herr gehangen, das Heil der Welt! – Kommt, lasset uns anbeten!“ Bei jeder Station wurde ein Nagel eingeschlagen – die Hammerschläge gingen durch Mark und Bein.

Zur Kreuzverehrung war erneut die Möglichkeit, das im eigenen Leben Zerbrochene ins Bewusstsein zu rufen – denn genau in all dem will Gott erlösend mit uns sein. Nach einer mit Geigenklängen von Tao-Dewa Stingl begleiteter Zeit des Nachdenkens und Schweigens waren alle eingeladen, das eigene Lebenskreuz und die Belastungen unserer Welt „vor das Kreuz Jesu zu legen“: Mittels der am Aschermittwoch erhaltenen (und seither mich begleitenden) Steine, mit einer Blume, Verbeugung oder anderweitig. Begleitet wurde dieser dementsprechend lange Vollzug durch die „Herrenklage“ – gesungen von Eva Bernhard und andere Gesänge.

Danach wurden die großen Anliegen unserer Welt & Kirche in den großen Fürbitten (mit Dias unterlegt) vor Gott getragen. Dann begleiteten wir den Herrn hinaus – wir schlossen den Gottesdienst mit Verlesung des passenden Evangeliums beim Grab in der Rosalienkapelle. Die Stille des Abschlusses wurde durch den hässlichen Lärm von Ratschen durchbrochen: Wenn in der Kirche Lärm ist, dann ist etwas passiert – und es ist etwas passiert: Gott scheint in der Welt gestorben! Dementsprechend ist die Liturgie nicht gut abgerundet - sie bleibt absichtlich offen und schließt ohne klaren Abschluss - der Tod läuft nun einmal nicht in geordneten, wohl geplanten Bahnen...

Diese eine Liturgie läuft vom Gründonnerstag bis zur Osternacht theoretisch in einem durch (daher auch keine Begrüßungen, Eröffnungen oder Abschluss-Segen).

Fotos: Andreas Leiter

 
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