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Äthiop. Pfarrer Fantahun: „Unsere hier versammelte, intellektuelle Jugend ist bereit, unsere Kirche kräftig zu gestalten!“
Röm.-Kath. Pfarrer Gerald Gump: „Ich bin stolz, zu welch zukunftsweisender Veranstaltung wir in der Pfarre Schwechat als Gastgebende mitwirken konnten!“
Etwa 50 Personen Äthiopischer Herkunft aus über 10 Europäischen Ländern kamen verstärkt durch einige Gäste aus der Heimat von Do, 9. – Mo, 13. Juli in der Pfarre Schwechat bei einem Internationalen Treffen der Äthiopisch-Orthodoxen Tewahedo-Kirche Österreichs zu Gebet & Gedankenaustausch zusammen.
„Wir bauen hier die Zukunft der Kirche und unseres Landes!“ erzählt Mag. Fantahun Muche Assefa, Priester der Äthiopischen Christen. „Junge Leute aus ganz Europa kamen zusammen – alle entweder selbst Universitätslehrende, Studierende unterschiedlichster Disziplinen oder Kirchenverantwortliche! Gemeinsam versuchten wir in Gebet, Gesprächen und Arbeitsgruppen nach zu denken, wie unsere Kirche einen sinnvollen Weg in die Zukunft nimmt!“ Besonders erfreut zeigte sich Pfarrer Fantahun über die Teilnahme der vielen jungen Teilnehmer/innen seiner Kirche: „Für mich sind gerade die Jungen so wichtig, weil eine Kirche ohne Jugend ist eine Kirche ohne Zukunft. Und ich bin stolz, dass so viele intellektuelle, junge Leute intensiv bereit sind, Verantwortung für unsere Kirche zu übernehmen. Hier bauen wir die Zukunft unseres Landes! – es ist schön zu sehen, dass unsere Kirche lebt!“ Organisiert wurde die Zusammenkunft durch die große Äthiopische „Jugendvereinigung“, eine Organisation, die versucht, Universitäts-Absolvent/inn/en bzw. Studierende aus Äthiopien zu sammeln und gemeinsame kulturelle und caritative Projekte zu initiieren.
Frauen und Männer, Junge und Ältere – die jüngste war 2 Monate alt – füllten über 4 Tage die Pfarre Schwechat, wo die Äthiopische Kirche Österreichs seit 7 Jahren mit ihren Gottesdiensten in der „Kleinschwechater Kirche“ angesiedelt ist, einer am Sonntag vormittags nicht benötigten Filialkirche der Pfarre Schwechat. Und: „Sie sind hier mittlerweile einfach ganz selbstverständlich zu Hause“, wie der röm.-kath. Pfarrer, Dechant Gerald Gump, freudig erzählt. Dies ist die einzig fixe Niederlassung der Äthiopischen Orthodoxie in Österreich.
Die äthiopischen Christen stehen vor großen Herausforderungen, die allesamt Thema der internationalen Konferenz waren: Wirtschaftliche Fragen unserer Zeit treffen ein Schwellenland wie Äthiopien besonders kräftig – „Wir legen hier die Grundsteine, dass unser Land und unsere Kultur nicht einfach auf ausländische Hilfe angewiesen ist, sondern aus eigener Kraft mehr und mehr die Initiative ergreift!“ erzählt Pfarrer Fantahun. Es gilt, so zentrale Zukunftsfragen wie Ausbildung, Kultur-Bewahrung, soziale Unterschiede oder kirchliche Herausforderungen neu zu stellen: „Unsere in ganz Europa selbst an Universitäten lehrenden oder hier studierenden Landsleute werden dazu einen zentralen Beitrag leisten – an diesem zu bauen haben wir uns über diese Tage vorgenommen! Wir tragen das Unsere dazu bei, dass unsere Kirche im Heute wirklich ankommt!“ Und so gingen die intensiven Gespräche jeden Tag bis in die Morgenstunden – am letzten Tag war erst um 5.30 Uhr früh Schluss…
Aktuelle Fragen drehen sich auch um äthiopische Kultur-Identität in fremden Ländern – Menschen, die intensives Gemeinschaftsleben von klein auf erlebt haben, tun sich in der bedrängenden Anonymität Europas oft nicht leicht. Fragen der Einheit der Christen stellen sich neu, im Heimatland wird der durch Petrodollar finanzierte Islam eine neue Herausforderung. In der letzten Zeit gibt es aber auch missionarische Neuaufbrüche: „Die Identität unseres Volkes ist zutiefst durch unsere christliche Religion geprägt. Und das macht Eindruck!“ erzählt Pfarrer Fantahun. „In letzter Zeit mehren sich die Anfragen von Außenstehenden um die Taufe – und wir sehen es als Auftrag in unserer Zeit, die Botschaft Jesu zu Menschen zu tragen, die noch nicht viel von ihm gehört haben!“
„Ich bin froh, welch intensive und zukunftsweisende Gespräche während dieser Zusammenkunft in unserer Pfarre möglich waren!“, erzählt der röm.-kath. Pfarrer Gerald Gump, der auch für dieses Treffen der Äthiopischen Christen mit seiner Pfarre wieder als Gastgeber fungieren konnte. „Es ist großartig, diese vielfältigen, allesamt aus Äthiopien stammenden Menschen kennen zu lernen, die hier Zukunft für ein Land bauen, das auf großartige Kultur & Geistesgeschichte aufbauen kann; sie nehmen ihre Zukunft eben selbst in die Hand. Die meisten Europäer reihen Äthiopien nur unter der Rubrik ‚Hunger’ ein – mein eigener Besuch in diesem Land, die Erfahrung der äthiopischen Gemeinde durch all diese Jahre, aber besonders auch dieses Treffen lässt mich für diese Kirche und ihr Land optimistisch werden!“
Mit herzlichsten Worten bedankten sich die Besucher zum Abschluss bei der Schwechater Pfarrgemeinde – 2 kostbare Ikonen wurden an Pfarrer Gerald Gump übergeben, auch ein Ausdruck des Dankes für das so selbstverständlich gewordene, geschwisterliche Miteinander beider Kirchen in Schwechat. Die Pfarre Schwechat, die gerade an diesem Sonntag intensiv für ein Gelingen des Treffens gebetet hat, stellte sich mit schriftlichen Segensgrüßen ein. Große Worte des Dankes fand auch Kesis Ashenati Belene, der Vorsitzende der Europäischen Jugendorganisation in Europa: „Es ist großartig, wie freundlich wir hier in der Pfarre willkommen waren!“
Ein Besuch im Wiener Stephansdom und eine intensive Führung durch die Schwechater Pfarrkirche rundeten das Programm auch kulturell fundiert ab. Den Abschluss bildete ein Besuch in Schwechater Rathaus, wo der am Montag noch anwesende Teil der Konferenzteilnehmenden von Bürgermeister Nationalrat Hannes Fazekas freundlich willkommen geheißen wurde, woran sich ein Vorstellen der Stadt mit ihren Aktivitäten & Geschichtsbezügen durch Vizebürgermeister Gerhard Frauenberger, Stadtamtsdirektor-Stv. Franz Kucharowits und Stadtarchivarin Dr. Christina Pal anschloss.
„Wenn ich in der nächsten Zeit in meine Heimat zurückkehre“, resümiert Pfarrer Fantahun, der selbst seit Jahren im Schwechater Pfarrhof mitlebt und dieser Tage sein theologisches Doktorat an der Universität Wien abschließt, „blicke ich zuversichtlich in die Zukunft: Unsere Jugend ist bereit, Kirche und Gesellschaft gut zu gestalten!“
Die Äthiopische-Orthodoxe Kirche wird in Österreich durch die Erzdiözese Wien gefördert. Via Arbeitsgemeinschaft Afro-Asiatische Gemeinden (ARGE AAG) wird das Miteinander der fremdsprachigen, christlichen Gemeinden Wiens koordiniert. Indem sie u. a. via Ausbildungsstipendien aus Kirchenbeitragsmitteln die Finanzierung von Priestern (so auch der beiden äthiopischen Priester Abba Birhanu Kassahun und Fantahun Muche Assefa) aus dem Süden für je ein post-graduate-Studium übernimmt, ist sie damit der größte, private Stipendiengeber Österreichs: Lebendige Entwicklungshilfe.
Weiterführende Artikel:
Ökumenisches Treffen der Pfarrgemeinden in Schwechat: Äthiopisch – Evangelisch – Röm.-Katholisch
Kirchliches Gipfeltreffen in Schwechat
Auf Wiedersehen, Fantahun
Vortrag von Bischof Daniel: Äthiopien: Kirche & Land
Fotos: Martina Stadlbauer, Florian Heumayer
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