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Cilli-News – unsere aktuellen Termine für Kinder


Besuch aus Itaberaba – September 2009 PDF Drucken

Luciano ein ehemaliger Priester aus Itaberaba und langjähriger Freund unserer Partnerschaftsgruppe hat auf seiner Europareise auch unsere Schwechater Partnerschaftsgruppe bei den Klugers besucht. Luciano arbeitet seit einigen Jahren als Koordinator für die christliche Landarbeiter Gewerkschaft CPT in San Salvador (Bahia). Wir konnten im Gespräch mit Luciano einiges über die gesellschaftliche Situation in Brasilien und die konkreten Anliegen unserer Partnergemeinde Itaberaba erfahren.

Frei Vasko verlässt Itaberaba
Zunächst hat Pfarrer Vasko (der uns vor zwei Jahren besucht hat) überraschend die Pfarre Itaberaba verlassen. Frei Vasko hat in den letzten Jahren viele pastorale Akzente in Itaberaba gesetzt und auch auf diözesaner Ebene gewirkt. Sein Abgang hat unsere Partnergemeinde in eine ziemliche „Führungskrise“ gebracht und fordert einen Prozess struktureller Veränderungen.

Frei Dito ist Gemeinderat in Itaberaba
Dito war ebenfalls Priester in Itaberaba und ist auch eine Säule unserer Partnerschaft. Er hat sich sehr für den lokalen Radiosender der Pfarre und die Durchsetzung von Bürgerrechten eingesetzt und ist deshalb immer wieder mit der Polizei in Konflikt gekommen. Nun ist er bei der letzten Wahl in den Gemeinderat gewählt worden. Der korrupte konservative Bürgermeister wollte allerdings sein Mandat aberkennen. Doch Dito hat nun den Gerichtsprozess gewonnen. Ein Erfolg für die reformorientierten politischen Kräfte in Itaberaba.
Als wichtige lokalpolitische Themen sieht Luciano nach wie vor das Problem der Wasserversorgung, den Einsatz um Menschenrechte und Bürgerrechte und als neu erkanntes großes Thema die Frage der Ökologie. „Wobei Ökologie und Glaube für mich den Diskurs über die Umwelt auf das Verhältnis zu Mitmenschen, zur Natur und zu Gott überschreitet und in diesem Sinne eine zentrale gesellschaftliche und religiöse Bedeutung hat.“

Acht Jahre Präsidentschaft Lula - eine Bilanz
Auch landesweit stehen dieses Jahr Neuwahlen an. Ein Grund für uns Luciano zu fragen, wie er die bisherige Politik des Präsidenten „Lula“s (PT - Arbeiterpartei) einschätzt. Lula hat nach Luciano in den letzten acht Jahren kleine Fortschritte in der Armutsbekämpfung erreicht. Doch viele Initiativen wie etwa die „Gegen Gewalt an Frauen“, oder für Bürgerrechte wie etwa einer „Quotenregelung für Schwarze Studenten an Universitäten“, laufen erst richtig an. In Zeiten der Wirtschaftskrise hat Lula ein effektives Krisenmanagement bewiesen. Das industrialisierte Brasilien spürt zwar einen Auftragsrückgang, dennoch gibt es im Gegensatz zu vielen europäischen Ländern ein geringes Wirtschaftswachstum. Davon spürt allerdings die Masse der Bevölkerung wenig, sie befindet sich nach wie vor in einer Armutskrise, die ja schon vor der jetzigen Wirtschaftskrise die brasilianische Gesellschaft bestimmt hat. Auch Kooperationen mit lateinamerikanischen und afrikanischen Ländern hat Lula gesucht. Doch im Vergleich zu politischen Entwicklungen in Equador, Bolivien und Venezuela, die etwa durch den verstärkten Einbezug der eigenen indigenen Traditionen neue politische Wege suchen, versucht Lula auf Grund der starken wirtschaftlichen Verflechtung des Landes einen Weg der sozialen Verbesserungen in dem kapitalistischen System zu finden.
Als großes Versäumnis der Politik Lulas sieht Luciano die Frage der Ökologie.
Marina Silva, Tochter eines Gummizapfers, belebt den derzeitigen Wahlkampf als charismatische Politikerin der neuen ökologischen Partei mit ihrer Forderung nach einer ökologischen Ethik. Sie ist aus der Arbeiterpartei Lulas ausgetreten.

Basisgemeindetreffen in Porto Velho und die Stimme der Kirche
Luciano nahm am brasilianischen Basisgemeindetreffen in Porto Velho teil. Die Basisgemeinden, die zurzeit nicht so stark in der brasilianischen Öffentlichkeit präsent sind, haben mit diesem Treffen ein starkes Lebenszeichen gesetzt. Die prophetischen Stimmen der Basisgemeinden sind in unserer pluralen Welt als Hefe im Sauerteig wichtig. Marina Silva, die charismatische Jungpolitikerin repräsentiert für Luciano etwa diese prophetische Stimme der Basisgemeinden. Das Verhältnis der Kirchenhierarchie zu den Basisgemeinden hat sich leicht verbessert. So waren auch Vertreter der Bischofskonferenz bei dem Basisgemeindetreffen anwesend. Auch eine ökologische Broschüre der Bischofskonferenz geht auf die Initiative der CBT zurück. Die Kirche Brasiliens rückt ab von der eigenen Nabelschau und sieht sich wieder stärker im Dienst der Menschen und der Gesellschaft Brasiliens. So der Befund Lucianos.

Neue Herausforderungen für die Partnerschaft?
Die Initiative „autonome Wasserversorgung durch Zisternen“ lobt Luciano als ein wichtiges konkretes Projekt im Bereich der Hygiene und Ökologie.
Weiteres bittet er um finanzielle Unterstützung zur Erhebung von Sklavenarbeit in Bundesstaat Bahia. Gerade wirtschaftlich moderne Betriebe fordern wieder billigste Arbeitskräfte und fördern so sklavenähnliche Arbeitsverhältnisse. Das Aufdecken solcher Missstände wäre zwar Aufgabe der Bundesregierung, doch deren Arme gelangen oft nicht bis zur kommunalen Ebene. Die Kampagne soll der Exekutive die nötigen Informationen liefern um solche Betriebe strafrechtlich zu verfolgen.
Luciano hat den Apfelstrudel von Traude Kluger mit uns genossen. Er lässt uns alle von unseren Freunden in Itaberaba herzlich grüßen und bedankt sich für unsere langjährige Zusammenarbeit. Dann bricht er auf zum Flughafen um in seinem Geburtsland Italien einige Tage mit seinen Verwandten zu verbringen.

Luciano - schön, dass du uns besucht hast!
Michael Steiner

Fotos: Michael Steiner (für einmaligem Abdruck in obigem Zusammenhang kostenfrei zur Verfügung gestellt)

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Pfarrer Luciano (ehem. Pfarrer von Itaberaba / Brasilien; in der Bildmitte – 6. v. rechts) mit einigen Mitgliedern der Gruppe „Pfarrpartnerschaft Itaberaba“ der Pfarre Schwechat

besuch itab in schw sept 2009 (102)



























Berit Krenn (Schwechater Pfarr-Partnerschaftsgruppe Itaberaba), Angela Kemper (ebenso Partnerschaftsgruppe, sowie Projektverantwortliche der Österreichischn Dreikönigsaktion für Brasilien), Pfarrer Luciano (ehem. Pfarrer von Itaberaba / Brasilien)

 
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