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Auch das Christkind war Asylant – Bleiberecht jetzt! PDF Drucken

Herbergssuche in Schwechat

Fr, 17. Dez. 2010, 15.30 Uhr – Hauptplatz Schwechat

Unter dem Motto „Auch das Christkind war Asylant – Bleiberecht jetzt!“ kamen am Freitag,  17. Dezember 2010 um 15.30 Uhr viele Engagierte zu einer „öffentlichen Herbergssuche“ am Schwechater Hauptplatz statt, um Solidarität mit Menschen zu bekunden, die nach jahrelangem unsicherem Warten und längst erfolgter Integration nun von der Ausweisung bedroht sind.

Biblische Erfahrungen heute ganz aktuell
„Gerade in diesen Tagen gedenken Menschen in aller Welt der ‚Herbergssuche‘ von Maria & Josef – kurz vor der Geburt Jesu, die zu Weihnachten gefeiert wird.“ erklärt Pfarrer Gerald Gump in seinem Statement. „Anschließend erzählt die Bibel, dass Jesus Flüchtling war und in Ägypten politisches Asyl gefunden hat – es ist zweifelhaft, ob er heute in Österreich eine Chance gehabt hätte! Wir können nicht gemütlich in christlicher Form Weihnachten feiern, wenn uns kalt lässt, dass mitten unter uns gerade Menschen ihrer Heimat beraubt werden!“

Der Hintergrund dieser Aktion ist die etwas 30jährige Flüchtlingsarbeit der Pfarre Schwechat, wo im Laufe der Zeit über 1000 Personen aus mehr als 50 Ländern im „Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat“ aufgenommen wurden. Viele davon haben Anschluss und ein Zuhause auf Dauer gefunden. „Einige davon, die schon lange hier zu Hause sind, deren Kinder hier geboren wurden, sollen jetzt in eine ‚Heimat‘ abgeschoben werden, die schon längst keine Heimat mehr ist – zu Hause sind sie hier!“ erzählt Gump weiter. „Und das kann uns als Christliche Gemeinde nicht kalt lassen – aus tiefer, christlicher Verantwortung protestieren wird dagegen!“

etwa 900 Menschen solidarisieren sich
Mit Stand Beginn der Herbergssuche haben sich 888 Menschen einer Unterschriftsaktion angeschlossen, die dieses Anliegen für Schwechater „Zirkelweg’ler“, wie auch grundsätzlich unterstützen – laufend treffen weitere Unterschriftsbögen ein. Auch kirchlich hat die Aktion viel Unterstützung gefunden – beispielsweise haben sich beide Weihbischöfe der Erzdiözese Wien der Unterschriftenaktion angeschlossen. Immer mehr zeigt sich: Das Verständnis in der Bevölkerung schwindet, unbescholtene Menschen nach jahrelanger Integration in Österreich plötzlich aus dem Lebensfeld heraus zu reißen und in ihr Herkunftsland abzuschieben. Daher wird ein „Bleiberecht“ für gut integrierte Menschen gefordert, die schon jahrelang in Österreich Heimat gefunden haben.

aktuelles Herbergssuchen
Die Veranstaltung begann mit einer aktualisierten Form des traditionellen „Herbergssuchens“ – in 3 Stationen wurde am Schwechater Hauptplatz der biblischen Erfahrung nach gegangen, dass Menschen abgewiesen werden. In einer freien Übersetzung biblischer Texte wurde deutlich, wie sehr hier Grundanliegen des Christlichen Glaubens betroffen sind. Vor der Pfarrkirche wurde ein aktueller Abschiebebescheid vorgelesen – und in die dort aufgestellte Krippe gelegt, deutlicher Hinweis darauf, dass sich der christliche Gott zutiefst mit Menschen auf der Flucht solidarisiert.

In der Kirche wurde durch den Psychotherapeuten DSA Joe Schramml (Begründer von Kinderwohnheim Zirkelweg, sowie Jugendclub ÜDÜWÜDÜ) am Beispiel Zitat Rosa Parks daran erinnert, was Widerstand damals in der Rassendiskriminierung der 60er-Jahre in den USA bewirken konnte: „Wenn Unrecht zum Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht!“ Mit einem gemeinsam gesungenen „We shall overcome“ und bunter Agape klang die Veranstaltung aus.

Rechtslage & ihre Vollzug müssen sich ändern!
„Wir hoffen alle, dass dies wieder ein kleiner Mosaikstein dazu ist, dass sich der Dschungel von nicht mehr wirklich durchblickbaren Fremdengesetzen endliche lichtet, Gesetzgebung und Vollzug endlich menschengerechter werden.“ erzählt eine Teilnehmerin. „Einerseits werden nach vielen Jahren in Österreich integrierte Menschen ausgewiesen und andererseits Überalterung und daraus resultierende Finanzprobleme beklagt!“


Fotos: Veronika Krenn & Martina Stadlbauer
für einmaligem Abdruck in obigem Zusammenhang kostenfrei zur Verfügung gestellt


128: Lotte Liebenauer legt den Abschiebebescheid in die Krippe: Bei uns hätte Jesus – anders als im damaligen Ägypten – keineswegs sicher Asyl gewährt bekommen!
125: „Bleiberecht für integrierte Flüchtlinge“ – so die Zentralforderung
203: Flüchtlinge werden im Hause Österreich abgewiesen.


Die verwendeten Texte


LIED  „Jeder Mensch dieser Erde“ 1.Strophe
Jeder Mensch dieser Erde ist es wert geschätzt zu sein
Jeder Mensch dieser Erde ist es wert geschätzt zu sein.


aktualisiertes Evangelium, Teil 1
Es begab sich aber zu der Zeit, dass in Österreich ein Erlass ausging. Durch diesen wurde es Flüchtlingen und Asylwerbern so gut wie unmöglich gemacht in Österreich Zuflucht, Schutz und Heimat zu finden. Auch wer hier schon integriert war und die deutsche Sprache einigermaßen beherrschte und in diesem Staat bleiben wollte war von Ausweisung bedroht.
Dieser Erlass erging zu der Zeit, da eine Wirtschaftskrise bewältigt worden war und es den Leuten hier gut ging. Gleichzeitig waren aber in vielen anderen Ländern bis zu 40 Millionen Menschen auf der Flucht. Außerdem war bekannt, dass weltweit immer noch Millionen Kindern arbeiten und eine Milliarde Menschen von nur 1 Euro pro Tag leben mussten.
Und jeder wusste von diesen Vorgängen, jeder in seiner Stadt, denn man konnte es in den Zeitungen lesen und in den Fernsehprogrammen mitverfolgen – wenn man wollte.
Und in diesen Tagen lebten auch Flüchtlinge aus Armenien, Georgien oder Aserbeidschan in der Stadt Schwechat bei Wien. Auch sie hatten diesen Erlass erhalten das Land wäre zu verlassen, obwohl sie schon seit Jahren hier sesshaft geworden waren. Jahrelang sind sie schwanger gegangen in der Hoffnung hier ihre wirkliche Heimat zu finden. Doch es kam anders:


LIED: „Jeder Mensch dieser Erde“ 2. Strophe
Jeder Mensch dieser Erde braucht eine Heimat wie ich und du.
Jeder Mensch dieser Erde braucht eine Heimat wie ich und du.


HERBERGSUCHE –  1. TÜR
Wer klopfet an?
O ein paar arme Leut`:
Was wollt ihr hier?
O gebt uns Herberg` heut! O aus Armut wir dich bitten, öffnet uns doch eure Hütten!
O nein! O nein!
O lasset uns doch ein!
Es kann nicht sein!
Wir wollen dankbar sein!
Nein, nein es kann einmal nicht sein, da geht nur fort, ihr kommt nicht rein!

HERBERGSUCHE –  2. TÜR
Wer vor der Tür?
Ein Mensch aus fernem Land
Was wollt denn ihr?
Hört unsre Bitten an: Lasset uns bei euch doch wohnen! Gott wird euch schon alles lohnen!
Was zahlt ihr mir?
Kein Geld besitzen wir!
Dann geht von hier!
O öffnet uns die Tür!
Nein, nein es kann einmal nicht sein, da geht nur fort, ihr kommt nicht rein!

HERBERGSUCHE –  3. TÜR
Ihr kommt so spät!
So heißt es überall!
So geht nur geht!
O Freund, so helft uns doch einmal! Uns ist Heimat schon genommen! Hab`n hier schon die Sprache angenommen!
Liegt mir nichts dran!
Seht unser Elend an!
Geht mich nichts an!
Habt Mitleid,  lieber Mann!
Nein, nein es kann einmal nicht sein, da geht nur fort, ihr kommt nicht rein!

He geht nur fort!
Ach wohin soll`n wir denn gehn?
Zur Kirche dort!
Welch eigentümlich Ort. Doch vielleicht stehn Kirchentore offen, wolln Barmherzigkeit erhoffen.
Jetzt packt euch fort!
Dies sind gar harte Wort!
Zur Kirche dort!
Ist wohl so schlecht nicht der Ort!
Ei, ei der Ort ist gut für euch sonst aus dem Lande, fort mit euch!


aktualisiertes Evangelium, Teil 2
Nun – kaum war die Hoffnung geboren – musste diese in Zeitungspapier eingewickelt und zum Ausreise-Gepäck gelegt werden. Es sollte für Asylsuchende kein Platz vorhanden sein. Die Wächter der Stadt waren bereit, sie zum Flughafen zu geleiten und in ihr Herkunftsland abzuschieben.


AUSWEISUNGSBESCHEID

Zahl: 1 – 13276572/FR/14
Betreff: Jesus von Nazareth, Geburtsdatum: 24.12. 1971
Staatsbürgerschaft: Palästina

INFORMATION ÜBER DIE VERPFLICHTUNG ZUR AUSREISE

Gegen Sie besteht eine durchsetzbare Ausweisung
Sie sind daher zur unverzüglichen Ausreise verpflichtet

Es gibt Möglichkeiten auf freiwillige Basis in ihren Herkunftsstaat zurückzukehren. Die Gewährung der Rückkehrhilfe ist möglich. Sowohl die Caritas als auch der Verein Menschenrechte Österreich beraten und unterstützen sie dabei. Eine umgehende Kontaktaufnahme wird dringend empfohlen!

Sie werden weiters darüber informiert, dass Ihre Ausreise auch mit Abschiebung erzwungen werden kann und Sicherungsmaßnahmen (gelinderes Mittel oder Schubhaft) ergriffen werden können.

Sie werden ersucht, dieses Schreiben  einer Grenzkontrollstelle anlässlich der Ausreise (Flughafen) oder nach Möglichkeit der österreichischen Botschaft in Ihrem Heimatland zu übergeben


aktualisiertes Evangelium, Teil 3
Und in dieser Welt von Krieg und Konflikten, in dunkler Nacht voller Entwürdigung, Hunger und Ungerechtigkeit waren Menschen hellwach - Christen wie Nicht-Christen guten Willens. Die Klarheit der Menschenwürde umleuchtete sie in der Finsternis und sie begannen zu unterscheiden zwischen dem, was wesentlich war und dem Unwichtigem. Sie begannen, an den Werten zu zweifeln, die in ihrer Welt Geltung hatten. Und sie fürchteten sich sehr, sie hatten wirklich große Bedenken.
Aber ein Bote sagte ihren: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkündige euch eine große Freude, die allen widerfahren wird. Euch ist ein Befreier geboren. An welchen Zeichen werdet ihr ihn erkennen? Ihr werdet Menschen begegnen, die sich nicht blenden lassen von Parteien, die Flüchtlinge abschieben wollen nur um selbst an die Macht zu kommen. Ihr werdet einen Wirtschaftsfachmann finden, der keine Scheu hat, die wirklichen Ursachen des Hungers in der Welt zu benennen. Und ihr werdet Menschen finden, die nicht nur beten für die Verfolgten und ungerecht Behandelten, sondern die sich versammeln und sich einsetzen.
Und alsbald war eine Menge von Menschen guten Willens, die Hilfesuchende unterstützten, auf die Menschenwürde eines jedes Einzelnen achteten und entsprechend handelten.


LIED: „Jeder Mensch dieser Erde“ 3. Strophe
Jeder Mensch dieser Erde wünscht ein Leben in Geborgenheit!
Jeder Mensch dieser Erde wünscht ein Leben in Geborgenheit!

 
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