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„Es braucht eine Trendwende in der Flüchtlingspolitik:
Statt um Ausgrenzung, Angst und Sicherheitsperspektive muss es primär um die Menschlichkeit gehen!“
Es war ein aufsehenerregendes Großereignis mit dem spürbaren Apell für mehr Menschlichkeit in der Flüchtlingspolitik, als am Sa, 30. April 2011 über 150 Menschen aus vielerlei Pfarren, Ordensgemeinschaften, sowie sonst engagierte Personen aus der Flüchtlings- & Asylarbeit, wie auch Flüchtlinge selbst sich auf den Weg der „2. Romaria“ machten – mehr als 15 Länder waren dabei vertreten. Die ganztägige Route führte so wie letztes Jahr von Schwechat nach Mödling ins Steyler Kloster St. Gabriel. Der zeitliche Anlass war der am 5. Mai stattfindende österreichischer Gedenktag gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus (5. 5. 1945 = Befreiung des KZ-Mauthausen). Entsprechend groß war auch das Medieninteresse: ORF und Schwechater Stadtfernsehen (SW 1 bzw. N1 ) filmten mit, Radiobeiträge für Ö1 wurden aufgenommen, Beiträge in verschiedenen Printmedien werden gerade verfasst.
„Es ist ganz einfach toll zu sehen, dass Christen und Christinnen gemeinsam auftreten, um gegen Tendenzen der Ausgrenzung in Gesellschaft und Politik gemeinsam aufzutreten“ betonte Daniel Vychytil, Leiter des Sozialprojektes Zirkelweg der Pfarre Schwechat, sowie einer der Initiatoren der Romaria in einer ersten Stellungnahme. „Viele engagierte Leute wollen mit dieser Wallfahrt ein deutliches Zeichen für einen fairen Umgang mit Flüchtlingen setzen!“ dementsprechend war auch die am Tag zuvor erfolgte Verschärfung der Fremdengesetze durch das österreichische Parlament laufend Thema.
Unter den Teilnehmenden waren u. a. AsylwerberInnen, die oft schon sechs, sieben oder sogar mehr Jahren auf Entscheidungen warten – es war daher auch eine Wallfahrt mit den Betroffen selbst. Auch die Geh-Ziele waren auf den ersten Blick untypisch für eine Wallfahrt: Es wurden nicht traditionelle „Heiligtümer“ angepeilt, sondern „die waren Schätze unserer Kirche: Orte, wo Nächstenliebe & Solidarität wirklich gelebt werden“, d. h. in der Flüchtlingsarbeit engagierte Pfarren und Gemeinschaften. „Orte, wo Arme sind, sind im christlichen Sinne Orte der Gnade und Gottesbegegnung – die eigentlichen Wallfahrtsorte!“ betonte P. Franz Helm von den Steyler Missionaren, einer der Initiatoren. Aus diesem Hintergrund wurde der Solidaritätsmarsch im „Sozialprojekt Zirkelweg der Pfarre Schwechat“ begonnen, wo in den letzten 30 Jahren über 1000 Flüchtlinge aus 50 Nationen durch die Pfarrgemeinde betreut wurden.
Wie schon letztes Jahr hielt die Romaria bei den diversen Kirchen auf der Route, aber auch beim islamischen Friedhof und der Shopping City Station. Aus unterschiedlichen Perspektiven wurde der Problematik von Flüchtlingen in Österreich, wie auch weltweit gedacht. Unter anderem wurde auf die problematische Situation der Schubhaft in Österreich oder die höchst umstrittenen Methoden der Altersbestimmung von minderjährigen AsylwerberInnen hingewiesen. In der Pfarre Inzersdorf St. Nikolaus berichtete Diakon Andreas Frank (Gedenkverein KZ Guntramsdorf) von der brutalen und vernichtenden Gewalt in der Naziherrschaft im KZ Guntramsdorf: „Während den Anfängen!“ fasste er seine Konsequenzen zusammen: „Es gilt, schon von Beginn an für Menschenrechte und Rechtsstaatlichkeit einzutreten“. Bei jeder Station wurde eine Solidaritätsschleife am mitgetragenen Kreuz befestigt. Im Don Bosco Flüchtlingsheim für minderjährige AsylwerberInnen / Inzersdorf gab es eine wohlverdiente Mittagspause.
Aber auch die globalen Themen der Flüchtlingsproblematik kamen nicht zu kurz. So wurde von Menschenrechtsaktivist Elias Bierdel die dramatische Situation an den EU Außengrenzen analysiert. Die Festung Europa führt zu immer riskanteren Flüchtlingsrouten über das Mittelmeer und zu immer mehr Opfern. Dieser Toten wurde bei einem Marterl in der Nähe von St Gabriel gedacht. Symbolisch wurden für die zerstörten Lebenshoffnungen und Lebensgeschichten Tonkrüge zerschlagen. Die Wallfahrer nahmen diese Scherben anschließend zum Abschlussgottesdienst mit.
Durch ein gutes Abendessen in St. Gabriel (gekocht von AsylwerberInnen aus dem dort untergebrachten Flüchtlingsheim) gestärkt, ging’s dann zum Abschlussgottesdienst. Die prägenden Inhalte des Tages wurden dort nochmals thematisiert. Anknüpfend an den biblischen Bericht bei Jesaja wies Pastoralassistent Daniel Vychytil darauf hin, dass der heutige Marsch „eine wirkliche Völkerwallfahrt“ war. „Und es geht uns bei dieser Wallfahrt nicht um persönliche Anliegen, sondern um die Nöte und Schicksale der Ärmsten unserer Gesellschaft: den Flüchtlingen hier in Österreich aber auch weltweit – für sie müssen wir als Christen voll eintreten!“
„Diese Wallfahrt stärkte alle, die unterwegs waren, in ihrem Engagement für eine gerechtere und friedvollere Welt, in der die Not der Flüchtlinge erkannt wird und gute Lösungen für sie gesucht werden.“ erzählt Vychytil. „Und als Vorbereitungsteam konnten wir zum Schluss schon die nächstjährige Romaria ankündigen!“
Fotos: Christian Tauchner SVD bzw. Pfarre Schwechat
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